Vier Briefe von Christian Hansen an seinen ältesten Sohn Fritz


4. Brief (Sonntag, 8. April 1945)


"Vielleicht komme ich ja auch noch im Laufe des Sommers"

Mein lieber Fritz!

Sei herzlich bedankt für Deinen Brief vom 1. März. Ich habe mich sehr gefreut, nach so langer Zeit auch wieder etwas von Dir zu hören. Dir gehr es gut, das ist schön. Mutti schrieb mir auch schon mehrmals, daß Du wieder gesund seist. Nach Ostern gehr es aber wieder zur Schule. Hoffentlich fährt der Omnibus dann auch weiterhin, sonst wird es doch kaum etwas. Radfahren geht ja nicht. Also müssen wir abwarten wie es wird.

Flüchtlinge habt Ihr inzwischen ja erhalten. Magst Du die beiden alten Leute leiden? Frl. P. ist jetzt ja weg von Euch. Hoffentlich erhaltet Ihr nicht noch mehr Flüchtlinge, sonst wird es mit dem Platz knapp.

Lieber Fritz, aus Deinem Brief sehe ich, daß Du immer noch so gerne klüterst. Nach Deiner Zeichnung kann ich mir recht gut vorstellen, wie der Stall jetzt aussieht. Die Kohlen scheinen bei Euch nicht mehr so reichlich zu sein. Dafür habt Ihr aber dann Holz bekommen. Du schreibst, daß Heinz und Du Tannenholz aus dem Wald geholt habt. Da hat Mutti sich sicher gefreut, denn das brennt doch schön. Ihr habt es auf Deinem Wagen geholt. Ja, hast Du denn auch einen Wagen gebaut? Der alte war doch kaputt, nicht wahr? Damit könnt Ihr dann im Sommer auch Kaninchenfutter holen. Vielleicht hast Du schon ein paar Kaninchen bekommen. Wie steht es mit der Ziege? Willst Du die auf dem Rasen binden? Du brauchst dann nicht so viel zu pflücken und der Ziege tut es auch gut, draußen zu sein.

Hast Du meine Briefe auch erhalten? Ich schrieb Dir in letzter Zeit mehrfach, aber die Post geht sehr lange und auch unregelmäßig.

Heute ist ein herrliches Sonntagswetter, es ist schön warm draußen. Heute nacht habe ich wieder Streifenwache. Da muß man doch den Mantel anziehen, sonst friert man.

Was macht Ihr denn jetzt? Seid Ihr schon bei dem Garten angefangen? Dabei würde ich gerne helfen. Heinz kommt nächsten Sonntag ja schon in die Lehre, dann ist es mit seinem Helfen alle. Aber Günter kann ja für ihn einspringen. Vielleicht komme ich ja auch noch im Laufe des Sommers und helfe Euch. Oder geht der Krieg noch nicht so schnell aus?

Von Oma erhielt ich vor einigen Tagen auch einen Brief. Opa ist noch jeden Tag im Wald, um Holz zu roden. Onkel Heine hatte schon einen Teil nach Hause gefahren. Sägen tun sie es ja mit der Maschine. - So mein lieber Fritz, hoffentlich ist dieser Brief schneller als die Engländer, sonst wird er dich nicht erreichen.

Herzliche Grüße an Euch alle

Dein Vater.