Christian Hansen

Chronik der Schule in Schalkholz

Von den Anfängen bis 1942




Lehrer Christian Hansen (1936)

Inhalt

Die Lehrer an der Schalkholzer Schule (1819 - 1942)
Die Anfänge der Schalkholzer Schule
Die Schule nach der Allgemeinen Schulordnung von 1814
Die Schule nach Einrichtung des Schulkollegiums (1866)
Streit um einen Neubau
Die Schule bis zum 1. Weltkrieg
Die Schule im Weltkrieg 1914 - 1918
Die Schule 1919 - 1933
Die Schule 1933 - 1942
Die Schule im Krieg (1939 - 1942)



Die Lehrer an der Schalkholzer Schule

Einklassig:

1819-1857: Andreas Lorensen
1857-1860: Claus Fr. Schlüter
1860-1904: Adolph Fr. Wilh. Thomsen

Zweiklassig: 1896.

1. Klasse:
bis 1904: Thomsen
1904-1930: Sievers.
2. Klasse:
1896-1900: Bielfeldt
1900-1904: Sievers
1904-1905: Schott
1905-1907: Ludwig Nissen
1907-1908: vertreten durch Sievers
1908-1912: Paarmann

Dreiklassig 1911.

1. Klasse:
bis 1930: Sievers
2. Klasse:
bis 1912: Paarmann
1912-1914: Thumann
1914-1919: verwaltet durch Sievers und Frl, Weber
1919 2.5.-1.8. Geckler
1919-1929: Sönksen
1929-1935: Ockelmann
3. Klasse:
1911-1919: Frl. Weber
1920-1924: Frl. Depmer
1924-1928: Frl. Hansen

Zweiklassig 1928.

1. Klasse:
bis 1930: Sievers
1930-1935: Langemack
1935-19.. Hansen
2. Klasse:
bis 1933: Ockelmann
1933-1933: Carstens
1933-1938: Sommer
1938 - .... Marx



Die Anfänge der Schalkholzer Schule

Es ist anzunehmen, dass auch in Dithmarschen die Kirche die Mutter der Schule gewesen ist. Pfarrer und Küster haben wahrscheinlich den ersten Unterricht erteilt. Schulen befanden sich nach 1500 mit Bestimmtheit in allen Kirchorten. Die Lehrer unterstanden der Aufsicht der Geistlichen. Ihre Einkünfte erhielten sie von der Kirche. Das Ziel des Unterrichts war die Heranbildung gläubiger Christen. Die Folge war, dass z.B. der Rechenunterricht stark vernachlässigt wurde. Eine allgemeine Schulpflicht bestand nicht.

Nachdem Dithmarschen 1559 seine Freiheit verloren hatte, wurde aus dem freien Bauernstaat ein Rechtsstaat. Er wurde regiert, und die Landvögte und Kirchspielvögte setzten diesem absolutistischen Druck kaum Widerstand entgegen. Die Selbstverwaltung im Sinne der alten Volksgemeinschaft blieb eigentlich nur in der Dorfgemeinde rein bewahrt.

Die Schulen waren entweder Einrichtungen der Kirche - wie in Tellingstedt - oder der Bauerschaft. Die Unterhaltung der Schulen in den Dörfern war ausschliesslich Angelegenheit der Bauerschaft. Ob damals schon in Schalkholz eine Schule bestand, ist äusserst zweifelhaft. Die Wahl des Schulmeisters stand in den Dörfern der Bauerschaft zu. Vor der Wahl war die Erlaubnis des Geistlichen einzuholen, was indes sehr oft unterblieb. Der Rektor in Tellingstedt verdiente damals 15 Mark Lübsch = 18 Mark. Ein Knecht bekam 21 Mark Lübsch = 25,20 Mark.

Auf den Dörfern bestand allgemein der Wandeltisch. Der Lehrer hatte freie Kost bei den Eltern, er "ass bei ihnen um". Der Gemeinde erwuchs daraus der Vorteil, an Gehalt sparen zu können. Dem Lehrer aber war die auf dem platten Lande oft vorhandene Schwierigkeit der Verpflegung genommen. Wollte er allerdings heiraten,dann reichte die Einnahme nicht. Der Wandeltisch fiel ohne Entschädigung fort und damit war er auf die Mildtätigkeit der Gemeinde angewiesen. Dieser Wandeltisch konnte für den Lehrer in guten Zeiten von Vorteil sein, bei Zerwürfnissen aber führte es dahin, dass die Hausfrau ihm tagaus, tagein die Gerichte vorsetzte, die er sich zu allerletzt gewünscht haben würde.

Die Schulhäuser - wenn die Schulkaten diese Bezeichnung verdienten - befanden sich oft in einem trostlosen Zustand. Zahlreiche kleine oder arme Dörfer auf der Geest besassen überhaupt keine Schule (Schulhaus). Ob die Schalkholzer Kinder damals in Tellingstedt zur Schule gingen oder ob sie in Schalkholz unterrichtet wurden, ist nicht bekannt. Ein eigenes Schulhaus hatte Schalkholz sicher nicht. Die Kinderzahl kann damals nicht gross gewesen sein. 1560 wohnten in Schalkholz 18 Landbesitzer. Da die Kinderzahl in unserm Dorf bis ins 18, Jahrhundert hinein auffallend klein war - durchschnittlich 1 - 2 Kinder - so darf man für diese Zeit mit ca. 10 schulpflichtigen Kindern rechnen.

Da die Besoldung sehr schlecht war, sahen sich die Lehrer nach einem Nebenverdienst um. Da sie nun bald Schankwirt oder Krämer, bald Landwirt oder Handwerker waren, musste die Arbeit in der Schule zwangsläufig zur Nebensache werden. Ihr dienstliches und ausserdienstliches Verhalten war dementsprechend. So ist z,B, bekannt, dass die Schule in Reinsbüttel 1620 deswegen verlegt werden musste, weil die Nähe der Schankstätte für die Lehrer eine grosse und ständige Gefahr bedeutete. 200 Jahre später - um 1750 - war die Lage der Lehrer nicht viel besser geworden. Das Gehalt betrug ca. 100 Mark Lübsch = 120 Mark. Eine Altersversorgung der Lehrer gab es nicht. Im günstigsten Falle gab man ihm im Alter einen Gehilfen. Meist musste er bis zu seinem Tode im Dienst bleiben.

Nach 1770 unterschied man drei verschiedene Schularten: Kirchspielschule, Distriktsschule und Nebenschule. Eine Kirchspielschule war in allen Kirchdörfern, Distriktsschule nannte man eine Schule auf dem Dorfe, wenn der Lehrer fest angestellt war und sowohl im Sommer als auch im Winter unterrichtet wurde. Wurde nur im Winter unterrichtet und war der Lehrer nicht fest angestellt, sondern nur gemietet, so hiess sie Nebenschule.

1776 gab es im Kirchspiel Tellingstedt 14 Distriksschulen, davon waren aber zehn Schulen mit einem gemieteten Lehrer, also eigentlich Nebenschulen. Das ist entweder ein Zeichen der Gleichgültigkeit der Gemeinden gegenüber der Schule oder für die Armut der Geestdörfer. Wahrscheinlich traf beides zu.

Schalkholz hatte damals zusammen mit Hövede und Rederstall einen gemieteten Lehrer, es war also eine Nebenschule. Die gemieteten Schulhalter an kleinen Dorfschulen wählte die Gemeinde meist alljährlich neu. Es handelte sich dabei zum Teil um Tagelöhner, Handwerker und ausgediente Soldaten. Geringe Gehaltsansprüche gaben den Ausschlag. Um 1770 muss es in Schalkholz eine Schule gegeben haben, denn es ist in alten Urkunden von einem Schulgarten die Rede, der allerdings im Sommer verpachtet wurde. Wo diese Schule gelegen hat, ist heute nicht mehr festzustellen. Es wird behauptet, dass sie an der Stelle gestanden hat, wo heute (1943) der Arbeiter Gudewer wohnt.

1794 ist anscheinend eine neue Schule gebaut worden. Davon gibt nachstehender Wechsel Kenntnis:

"Auf diesen unseren Solowechsel zahlen wir Endesbenannte als Interessenten der Schalkholzer Schule a dato 6 Monat an den Pastor Clasen in Tellingstedt die Summe von vierhundert Mark Schleswig-Holsteinisch grob Courant nebst 4 p.Ct. jährlicher Zinsen, so derselbe uns zum Bau unserer Schule bar angeliehen, Valutam haben wir richtig empfangen und versprechen zur Verfallzeit prompte Zahlung, acceptieren auch diesen Wechsel auf uns selber.
Schalkholz,den 10.ten November 1794.
als Schulvorsteher Claus Karstens, Bauernvoigt Claus Clausen, Peter Behrends.


Die Notwendigkeit, die Kinder das ganze Jahr hindurch unterrichten zu lassen, wurde sicher überall anerkannt. Die Sorge um den Geldbeutel aber verhinderte jede Neuerung. Als um 1780 auf Befehl der Regierung in Schleswig, in Schalkholz statt der bisherigen Winterschule auch im Sommer unterrichtet werden sollte, schlossen die Interessenten sie nach drei Jahren wieder, trotzdem 20 Kinder unter 10 Jahren vorhanden waren. Sie weigerten sich, ihren Verpflichtungen dem Lehrer gegenüber nachzukommen, und selbst die Schulvorsteher widersetzten sich den Anordnungen der Visitatoren.

Die Schulpflicht begann bei Mädchen und Knaben mit 5 Jahren, sie dauerte bei Mädchen bis zum 15. Lebensjahr, bei den Knaben ein Jahr länger. Der Unterricht war von 7 bis 11 und von 1 bis 5 Uhr, Frei war nur der Sonnabendnachmittag.

Ein Schulfest, auf das sich die ganze Jugend Norderdithmarschens freute, war der Kaland, dem das Umsingen vorausging. Das Umsingen führte seinen Ursprung auf die alte Sitte zurück, zu Anfang des Jahres den Lehrer zu beschenken. Um die Zuwendungen zu erhöhen, pflegte der Lehrer mit den grösseren Kindern unter Absingen von Chorälen gegen Neujahr von Haus zu Haus zu ziehen. Das artete zuletzt so aus, dass die Klasse wochenlang von Dorf zu Dorf zog. Während des Umsingens fiel jeder Unterricht aus. Den Abschluss bildete um Fastnacht der Kaland. Dieser wurde gewöhnlich in der Schule gefeiert. Die Kinder erhielten ein leckeres Mittagsmahl, dem sich unter Beteiligung des ganzen Dorfes ein Tanzgelage anschloss.

Die Einnahmen aus dem Umsingen waren in den meisten Dörfern recht beträchtlich. So ist es zu verstehen, dass die Lehrer nicht darauf verzichteten, trotzdem es ihnen denkbar unbequem war. Auch die Regierung drängte auf Abschaffung. Daraufhin schafften viele einsichtige Gemeinden es ab, andere weigerten sich, immer mit dem Hinweis auf das Kirchspiel Tellingstedt, wo das Umsingen überall fortgesetzt würde.

Die Auszahlung des Gehalts war verschieden geregelt. In Schalkholz zahlten um 1800 die Bauernschaftsgevollmächtigten die 16 Mark Lübsch = 56 Mark aus. Wegen dieses geringen Gehalts war es nicht leicht, einen ordentlichen Lehrer zu bekommen.


Die Allgemeine Schulordnung von 1814


Die Allgemeine Schulordnung von 1814 bedeutete einen grossen Fortschritt. Das ergibt sich aus dem Ziel des Unterrichts:
"Es ist den Kindern die Bildung zu geben, deren sie zur Ausübung eines ordentlichen Berufes benötigen."
Sie bestimmt weiter:
Sämtliche Schulen auf dem Lande werden zu Distriksschulen erhoben, in ihnen unterrichten geprüfte und bestallte Lehrer. Der Unterricht erstreckt sich über das ganze Jahr. Jeder Distriksschullehrer erhält freie Wohnung, Gartenland, Schulland für 1 bis 2 Kühe, an Naturalien 5 bis 5 Tonnen Roggen und freie Feuerung. Der Wandelttsch. fällt fort. Die Schullasten werden von allen Gemeindemitgliedern getragen. Das Gehalt beträgt von 48 bis 160 Rthlr. = 108 bis 360 Mark. In Norderdithmarschen trat die Allgemeine Schulordnung im Gegensatz zum weitaus grössten Teil Schleswig-Holsteins erst 1818 in Kraft. Die Unterrichtszeit wurde bei uns auf 8 bis 11 und 1 bis 4 Uhr festgesetzt. Der Sonnabendnachmittag war frei. Wo die Verhältnisse es erlaubten, waren mehrere Nebenschulen zu Distriksschulen zusammenzulegen.

Als für die Dorfschaften Schalkholz, Hövede und Rederstall diese Bestimmung ausgeführt werden sollte, bereitete die grosse Entfernung von Rederstall nach Schalkholz und die Anlegung eines Schulfussteiges, der dazu noch öfter unter Wasser gestanden hätte, unüberwindliche Schwierigkeiten. Deshalb erhielt die Dorfschaft Rederstall die Erlaubnis, die Nebenschule zu behalten. Die Gemeinde Schalkholz setzte daraufhin das Gehalt des Lehrers von 60 auf 48 Rthlr. herab und verminderte gleichzeitig die Kornlieferung von 4 auf 5 Tonnen. Ferner beantragte die Gemeinde, wieder eine Nebenschule einrichten zu dürfen, weil eine Distriksschule zu teuer sei. Die Angelegenheit beschäftigte mehrere Instanzen, die aber alle abschlägig beschieden. Es blieb also bei der Distriksschule.

Der Schulvorstand bestand aus zwei Schulvorstehern, die einander nebengeordnet waren. (der ältere war meistens Schulrechnungsführer) und dem Schulinspektor, der den Vorsitz führte. Der Schulvorsteher hatte für die Einkünfte des Lehrers, die sich aus Festgehalt, Naturallieferung, Hand- und Spanndienste und freier Feuerung zusammensetzte, aufzukommen. Sie hatten oft keinen leichten Stand. Beim Ausscheiden eines der beiden Schulvorsteher schlug der Pastor in der Regel drei Schulinteressenten vor und zwar in der Beihenfolge ihrer Eignung. Gewählt wurde meistens der erste. Es ist auch vorgekommen, dass der Pastor den Hauptkrakehler des Dorfes zum Schulvorstand vorschlug, um ihn kaltzustellen. Der Lehrer war nicht Mitglied des Schulvorstandes.

War eine Schulstelle neu zu besetzen, so wurde seit 1844 die Stelle in der Zeitung ausgeschrieben und von der Kanzel verlesen.


[Hier Dokument]


Bewerbungen waren an den Schulvorsteher zu richten. Nach der Präsentation, auf der die Schulinteressenten meistens drei Kandidaten bezeichneten, fand die Wahl statt. Der Schulinspektor benachrichtigte die Präsentierten und übermittelte ihnen schriftlich die Themen für die Katechese. Die Auserlesenen trafen frühzeitig im Orte ein. Alsbald begannen sie mit gewichtiger Miene ihren Rundgang durchs Dorf. Sie stellten sich allen Interessenten vor und warben um ihre Stimme. Das nannte man "Kuren". Dieses Kuren bedeutete für den Lehrer eine ebenso lästige wie demütigende Zumutung, für das Dorf war es eine hübsche Abwechslung im einschläfernden Gleichmass des Dorflebens. Eine weitere Folge war, dass sich die Interessenten meistens schon vor der Wahl einig waren, wen sie haben wollten. Die Wahl fand statt unter dem Vorsitz des Schulinspektors in der Kirche. Einfache Stimmenmehrheit entschied. Kleine Gemeinden erhielten manchmal die Erlaubnis, von Präsentation und Wahl Abstand zu nehmen und einen ihnen bekannten Lehrer zu wählen.

So bestätigt das Oberkonsistorium 1822 die Wahl des Lehrers Lorenzen in Schalkholz, der zunächst als Vertreter hier gewesen war und den die Interessenten dann einstimmig zum Distrikslehrer wählten.

Wer aus den gesunden ländlichen Verhältnissen, der kernigen Abstammung, der ruhigen Lebensweise und der gleichförmigen Lebensführung auf ein hohes Lebensalter der Lehrer schliessen würde, hätte dabei die Berufsanstrengungen nicht hinreichend in Rechnung gestellt. Aus einer Uebersicht von 1800 bis 1850 geht hervor, dass die Pastoren das höchste, die Lehrer nach den Aerzten das niedrigste Alter erreichten. Das Schulregulativ sah eine Pension der Lehrer vor, doch war die Höhe nicht festgesetzt, sondern blieb der Vereinbarung zwischen Gemeinde und Lehrer anheimgestellt. Die Gemeinde löste die Frage mit Vorliebe so, dass sie die Hälfte der Pension trug und den Rest dem Nachfolger aufbürdete. Eine bestimmte Altersgrenze war nicht festgesetzt.

Von 1844 bis 1865 begann die Schulpflicht mit 7 Jahren, auf dem Lande schon mit 6 Jahren. Auf den Dörfern war mit dem Umsingen der Kinderball nicht abgekommen. Der Ball war aber nicht mehr um Fastnacht, sondern im April. An den meisten Orten lebte das Kinderfest ohne eigentlichen Anteil der Schule weiter. In Schalkholz wurde im Gegensatz dazu noch nach 1870 an einem Freitag bald nach Neujahr ein Tanzvergnügen in der Schule unter Aufsicht des Lehrers abgehalten. In der Schule bestand weder eine Trennung nach Geschlecht noch Alter der Schulkinder, auch da, wo mehrere Klassen waren.

Erst nach 1820 kam der sogenannte "wechselseitige Unterricht" auf. Der König Friedrich VI. setzte in Eckernförde eine Kommission ein zur "Einführung und Verbesserung des wechselseitigen Unterrichts". Hier bestand eine Normalschule des wechselseitigen Unterrichts, in der die Lehrer in vierzehntägigen Kursen die notwendigen Kenntnisse gewinnen und Eindrücke sammeln konnten. Von jetzt ab wurden die Kinder in Gruppen eingeteilt, je nach ihrer Leistung. Während der Lehrer an der einen Abteilung unterrichtete, wurden die andern still beschäftigt.

Am Schluss des Aufenthalts in Eckernförde fand eine Prüfung statt. Diese Prüfung war besonders den Autodidakten willkommen, insofern sie nach kurzer Zeit ein amtliches Zeugnis erwerben konnten, denen bei Bewerbungen eine grosse Bedeutung beigemessen wurde. Die Zeugnisse enthielten insgesamt 9 Abstufungen: I 1,2,3 - II 1,2,3 - III 1,2,3. Die Voraussetzung für den wechselseitigen Unterricht war ein geräumiges Klassenzimmer. In der Zeit von 1814 bis 1870 wurden in Norderdithmarschen 44 Schulen neu errichtet und 22 Schulen erweitert. Im Kirchspiel Tellingstedt lag es damit sehr im argen, da die Gemeinden arm waren. Zuschüsse aber gab es nicht.

1872 regeln die "Allgemeinen Bestimmungen" das Volksschul-Präparanden- und Seminarwesen. Der Lehrer wurde von jetzt ab 6 Jahre ausgebildet, 3 Jahre auf der Präparande und 3 Jahre auf dem Seminar.

Die Namen der ersten Lehrer in Schalkholz wissen wir nicht mehr. "Lehrer" in der heutigen Bedeutung des Wortes waren es sicher nicht, sondern wahrscheinlich Handwerker und Tagelöhner, die jährlich neu gewählt wurden. Die hiesige Schule war bis 1818 Nebenschule. In diesem Jahre wurde sie umgewandelt in eine feste Distriktsschule. Die Gemeinde Hövede war bis 1868 mit Schalkholz verbunden, von welchem Zeitpunkt ab Hövede eine eigene Distriksschule gehabt hat. Erster festangestellter Lehrer war Andreas Lorenzen, welcher bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1857 eine Besoldung von 240 Mark empfing, nebst freier Feuerung. Ausserdem ward ihm freier Wandeltisch gewährt während der vielen Jahre, in welchen er - in Tellingstedt wohnend - allmorgendlich nach Schalkholz hinüberging.

Lorenzen war im Jahre 1786 geboren, 1819 kam er nach Schalkholz. Der damalige Schulinspektor Clasen, Tellingstedt, stellte ihm folgendes Zeugnis aus:

"Nach angestellter Prüfung habe ich, Vorzeigern dieses, Andreas Lorenzen, jetzt in Tellingstedt, würdig befunden, dass ihm die interimistische Verwaltung der erledigten Schulstelle zu Schalkholz, Hövede und Rederstall um so willi= ger übergeben werden kann, weil er in früheren Jahren sich dem Fache des Schulunterrichts gewidmet hat. Mit Vergnügen gebe ich ihm das verdiente Zeugnis, dass ich in ihm den Mann gefunden habe, dem man mit guter Hoffnung,dass er der ihm übertragenen Schuljugend das seyn und leisten werde, was nach Gottes Absicht der Lehrer seinen Zöglingen seyn und leisten muss, diese erledigte Schulstelle ad Interim bis zur völligen Regulierung demselben übertragen werden kann. Aufgesetzt Tellingstedt, den 28 sten September 1819, E.F.Clasen, Pastor und Schulinspektor Denen Schulvorstehern Hermann Suhl Jebens und Claus Antony in Schalkholz zur Besorgung des Erforderlichen übergeben."

Er war Autodidakt. In Eckernförde nahm er an einem Kursus für den wechselseitigen Unterricht teil und erhielt bei der Prüfung die Note II 2, 1822 wurde er vom Probsten bestätigt. Die Schülerzahl betrug 1830 ca. 50 Kinder, gegen Ende seiner Amtszeit waren es 80. Er ist bis zum Jahre 1857 hier tätig gewesen. Es ist ihm nicht vergönnt gewesen, nach seiner Pensionierung noch einen langen ruhigen Lebensabend zu geniessen. Er starb bereits am 4. Mai 1858.

Die Schule befand sich wahrscheinlich während seiner ganzen Amtszeit in dem heute (1943) von Peter Bies bewohnten Haus. Von 1857 bis 1860 wurde die Schule wieder interimistisch verwaltet von Claus Friedrich Schlüter, der 1859 endgültig angestellt wurde, aber schon im folgenden Jahre nach Schwienhusen verzog. Im Jahre 1860 wird dann der am 28. November 1842 in Wesseln geborene Adolph Friedrich Wilhelm Thomsen gewählt. Thomsen hat 1876 unsere heutige Schulchronik begonnen. Das Protokoll über die Verhandlungen des Schulkollegiums der Schulkommüne Schalkholz-Hövede beginnt bereits 1866. Da beim Dienstantritt des Thomsen die Schülerzahl 80 betrug, war der Schulraum zu klein geworden. Da auch im Jahre 1858 das der Schule gehörige Land "Bornmoor" urbar gemacht und dem Lehrer zur Benutzung überwiesen worden war, andererseits aber kein Stallraum vorhanden war, so wurde 1861 ein Anbau aufgeführt, durch welchen auch das Schullokal vergrössert ward.

Die Schule nach Einrichtung des Schulkollegiums (1866)

Nach Patent für das Herzogtum Schleswig-Holstein vom 16.7.1864 sollen in sämtlichen Schulorten Holsteins Schulkollegien gebildet werden. Aus diesem Grunde wurden am 5. Mai 1866 sämtliche Interessenten der Schulkommüne Schalkholz-Hövede ins Schullokal in Schalkholz geladen. Sehr gross scheint aber das Interesse nicht gewesen zu sein, denn es hatten sich ganze 5 Mann eingefunden.

Folgendes Schulkollegium wurde gebildet:

Diakonus J.Peters, Tellingstedt, als Schulinspektor.
Justizrat Wohlt, Tellingstedt, als Kirchspielvogt.
Bauernschaftsgevollmächtigter Johann R. Harbeck, Schalkholz.
Schulinteressenten Hans Rohde Nottelmann, Schalkholz,Peter Claussen, Glüsing, Hans Kröger und Marx Harbeck jun, aus Hövede.

Das Kollegium wurde alle drei Jahre neu gewählt. Jedes Mitglied führte ein Jahr unentgeldlich die Schulrechnung. Bis 1879 schieden alle Schulvorsteher gleichzeitig aus dem Amte, von da ab erfolgte der sukzessive Abgang, so dass in jedem Jahr ein neues Mitglied gewählt wurde.
Folgende Einwohner waren im Laufe der Jahre Schulvorsteher:
1869 - 1872: Johann Christopher Clodius, Peter Nicolaus Antony, Friedrich Wilhelm Andreas Timm.
1872 - 1875: Johann Jakob Holst, Carsten Suhl, Johann Carstens.
1875 - 1878: Hans Rohde Nottelmann, Töpfer Claus Thede, Hinrich Meier.
1878 P.C.Glüsing. 1879 Johann Carstens.
1880 Johann Holst.
1884 Friedrich Timm.
1882 Hans Rohde Nottelmann.
1883 Carsten Suhl.
1884 Friedrich Hinrichs.
1885 Claus Johann Zingelmann.
1886 Hans Lembke.
1887 Claus Friedrich Maltzen.
1888 Johann Detlef Nottelmann.
1889 Hans Carstens.
1890 Hans Rohde Nottelmann.
1891 Johannes Krüger.
1892 Zimmermann Hinrich Eckmann.
1893 Johann Carstens.
1894 Claus Glüsing.
1895 Friedrich August Hinrichs.
1896 Hans Stammerjohann.
1897 Ziegler Claus Johann Peters. Für den zum Gemeindevorsteher gewählten Fr. Hinrichs - Johann Harbeck.
1898 Peter Heinrich Peters.
1899 Landmann Hans Zingelmann.
1900 Landmann Marx Glüsing.
1901 Landmann Johann Glüsing.
1902 Landmann Adolf Stammerjohann.
1905 Landmann Marx Kruse.
1904 Häusler und Arbeiter Claus Stühmer.
1905 Schneider W. Bies.
1906 Landmann Jakob Holm.
1907 Claus Stühmer.

Auf Anweisung des Königlichen Schulvisitatortums wurde 1909 der gesamte Schulvorstand neu gewählt. Es wurde beschlossen, wieder drei Mitglieder zu wählen. Es wurden gewählt:
1908 Jakob Holm, H.J.Zingelmann und H. Glüsing. Sie werden auf die Dauer von sechs Jahren gewählt. Dem Schulvorstand gehörten ausserdem an: der Gemeindevorsteher, ein vom Schulvisitatorium bestellter Lehrer und der Ortsgeistliche.
1910-1912 Jakob Holm, Cl.Glüsing, H.Glüsing.
1912-1914 H.Glüsing, Cl. Glüsing, J. Harbeck.
1914-1921 Jakob Holm, Cl. Glüsing, J. Harbeck (bis 1915) dann Ludwig Siebcke.
1919 für den verzogenen Cl. Glüsing - Otto Peters.
1921-24 Heinrich Eckmann, Claus Hinrichs, Arbeiter Wilhelm Rohde.
1924-30 Claus Nottelmann, Friedrich Moss, August Gloe.
1930-33 Wilhelm Peters, Emil Kruse, Peter Wilhelm.
1933-35 Jakob Holm, Emil Kruse, Otto Peters(Vierth) Rudolf Rüsch.
Ab 1935 heissen sie Schulbeiräte. Ortsschulvorsteher ist Jakob Holm, als Schulbeiräte sind ernannt: Lehrer Hansen, Emil Kruse und Rudolf Rüsch.

Im Jahre 1868 wurde die Dorfschaft Hövede abgetrennt. Dadurch verminderte sich die Schülerzahl um zehn.

1875 wurde das Schulland um die Dorfwiese vergrössert, die für 4320 Mark angekauft wurde. Ebenfalls wurde das Gehalt des Lehrers Thomsen erhöht auf 960 Mark. Es setzt sich wie folgt zusammen:
Gräsung..................................................66.- Mark
Wiese...................................................288.-
3 Tonnen Buchweizen,3 Tonnen Roggen,
3 Fuder Streusand, Eintrittsgeld..................68.-
bar......................................................558.-
gesamt.................................................960.- Mark.
Wohnung und Garten sind geschätzt mit 60 bezw. 18 Mark. Ausserdem erhielt er 38 000 Soden Torf. Für Reinigung und Heizen erhielt der Lehrer jährlich 50 Mark.
In aussergewöhnlich guter Stimmung scheint der Schulvorstand gewesen zu sein, als man dem Lehrer eine hölzerne Schaufel schenkte und ihm sogar den halben Wert der von ihm gekauften Schiebkarre ersetzte.


Streit um einen Neubau


Da die Wohnungsverhältnisse des Lehrers - die Wohnung bestand aus einem Wohn- und einem Schlafzimmer - sich als unzureichend erwiesen, wurde im Sommer 1876 ein Erweiterungs- bzw. Umbau der Lehrerwohnung in Aussicht genommen. Zunächst zögerte das Schulkollegium die Einreichung des Baurisses sehr lange hinaus, dann folgten lange ergebnislose Verhandlungen, so dass nach zwei Jahren noch nicht das mindeste geschehen war.

Der Grund war zum Teil der: Durch dauernden Zuzug fremder Familien stieg die Schülerzahl von Jahr zu Jahr. Es war also vorauszusehen, dass in absehbarer Zeit eine zweite Klasse werde eingerichtet werden müssen. Da der Platz, auf dem das Schulhaus lag, äusserst beschränkt war und zudem ungunstig lag, war es zweifelhaft, ob der alsdann nötig werdende zweite Umbau die Genehmigung der Regierung finden würde.

In Wirklichkeit fürchtete die Gemeinde einen Schulneubau. Da forderte die Regierung im Herbst 1878 den Nachweis, dass ein geeigneter Platz vorhanden sei, um einen Schulneubau aufzuführen. Das Schulkollegium liess die Frist ruhig verstreichen. Daraufhin ordnete die Regierung an, dass die Halbtagsschule einzurichten sei. Die eine Klasse wurde also vormittags, die andere nachmittags unterrichtet. Diese Halbtagsschule ist dann volle 19 Jahre - von 1878 bis 1897 - durchgeführt worden. Das Schulkollegium hatte gesiegt. Wohl oder übel musste man aber in den sauren Apfel betssen, dem Lehrer für seine Mehrarbeit jährlich 90 Mark zu vergüten, da man dazu durch Verfügung der Regierung gezwungen wurde. Um dieses Geld aber wieder einzusparen, verweigerte man dem Lehrer die Erweiterung seiner Wohnung.

Der alte Pastor Peters scheint nicht mehr die Kraft gehabt zu haben, dem Lehrer zu helfen. Nachdem er 1881 wegen Alterschwäche in den Ruhestand trat, kam Pastor Mitsching. Gestützt auf eine Verfügung des Schulvisitatoriums betr. Unterbreitung von Vorschlägen hinsichtlich der Erweiterung des jetzigen Schulhauses oder der Erbauung eines neuen Schulgebäudes berief das Schulkollegium 1882 zu einer Versammlung nach Tellingstedt und forderte die Schulvorsteher zur Stellungnahme auf. Da nun wieder einmal das drohende Gespenst des Schulerweiterungs- oder sogar neubaues vor ihnen stand, erklärten sie sich bereit, dem Lehrer eine Bodenstube einzurichten. Pastor Mitsching machte darauf aufmerksam, dass der Lehrer den Platz auf dem Boden, der durch die Einrichtung einer Stube wegfiele, auf keinen Fall entbehren könne, dass das Hinaufgehen mit Licht feuergefährlich sei, da direkt neben der Treppe Heu lagere und das dem Schulkollegium nur unnötige Kosten erwüchsen, da doch in Kürze eine zweite Klasse eingerichtet werden müsse. Die Schulvorsteher erklärten daraufhin, dass ein Erweiterungs= oder Neubau überhaupt nicht in Frage käme, da kein Geld vorhanden sei. Nach langwierigen Verhandlungen, die sich über ein ganzes Jahr erstreckten, wurde dann aber doch der Bau einer Bodenstube (statt der vorgesehenen Steinwand wurde allerdings nur eine Bretterwand errichtet) und wegen des Ausfalls an Bodenraum ein Torfstall zu errichten beschlossen.

Es waren auf die Ausschreibung hin vier Offerten eingegangen. Mauermeister Joh. H. Meggers erhielt den Zuschlag für 1350 Mark. Man lieh sich das Geld bei dem Eingesessenen Carsten Suhl. 1300 Mark zu 4 %.

Im Herbst 1886 forderten abermals die vorgesetzten Behörden die Errichtung eines neuen Schulgebäudes. Im Februar 1887 besuchte der Landrat Kier Schalkholz, um sich nach einem geeigneten Bauplatz umzusehen.

1886: Das Schulkollegium wehrt sich noch gegen den Schulbau.

1887: Das Schulvisitatorium verlangt die Einsendung einer Bauskizze und eines Kostenanschlags.

Darauf bittet das Schulkollegium, überhaupt von dem Plan eines Schulbaues abzusehen, da doch in Kürze mit Rücksicht auf die wachsende Kinderzahl die Einrichtung einer zweiten Klasse und dadurch ein weiterer Bau notwendig würde, wodurch der Kommüne nur doppelte Kosten erwachsen würden.

1888: Die Regierung schlägt vor, ein neues Schulhaus zu bauen, in dem gleich zwei Klassenzimmer vorhanden seien. Das Schulkollegium ist dafür, dass Lehrerwohnung und eine Klasse in dem alten Schulgebäude bleiben und dass ein neues Klassenzimmer der Schule gegenüber aufgeführt werde. Es hält, sogar die sofortige Errichtung einer zweiten Klasse für notwendig!
August 1888: Die Regierung erklärt den Bauplatz gegenüber der Schule für ungeeignet und schlägt nochmal den Bau von zwei Klassenzimmern mit einer Lehrerwohnung vor. Das Schulkollegium erklärt darauf, einen andern Platz könnten sie nicht finden. Ausserdem wäre die Stimmung in der Kommüne gegen jeglichen Bau und gegen die Errichtung der zweiten Klasse und man möge alles beim alten lassen. Sie erklären sich aber bereit - soweit nötig - das alte Schulhaus reparieren zu lassen.

1891: Bei einer nötig gewordenen Reparatur des Schweinestalles wird gleichzeitig der Kuhstall um ein geringes erweitert. Von einer Reparatur des Schulhauses verlautet sonst nichts.

1892: Das Schulkollegium hat auf Anfrage der Regierung hin die Beihilfe zum geplanten Schulbau die Summe von 10 000 Mark erbeten.

1893: Dem Schulkollegium scheint endlich zu dämmern, dass die Einrichtung der Halbtagsschule doch auch ihre Nachteile habe. Die Schülerzahl betrug in diesem Jahre ca. 90. Das Schulkollegium kommt zu der Ansicht, dass es einem Lehrer bei der hohen Schülerzahl unmöglich sei, die Kinder in genügender Weise gleichmässig zu fördern. Diesem Notstande müsse abgeholfen werden. Eine wesentliche Besserung sei aber nur zu erwarten, wenn durch Anstellung eines zweiten Lehrers zwei Klassen gebildet würden. Dazu müsse der im Jahre 1888 aufgegebene Bauplan wieder in Erwägung gezogen werden. Man ist der Ansicht dass der Bau eines neuen Klassenzimmers mit einer Familienwohnung für den anzustellenden zweiten Zehrer notwendig sei. Ein geeigneter Platz sei schon in Aussicht genommen. Voraussetzung für die Durchführung dieses Projekts aber sei, dass der Staat eine wesentliche Unterstützung zum Bau sowie auch eine Beihilfe zur Besoldung des zweiten Lehrers bewillige. Man beschliesst daher einstimmig, bei der Regierung anzufragen, ob sie den Bau eines Schulhauses mit einer Familienwohnung und einem Klassenzimmer genehmige und ob sie eine wesentliche Unterstützung in Aussicht stellen könne. Der in Aussicht genommene Platz liege im Südwesten an der Chaussee, sei ziemlich hoch und trocken gelegen. Der Eigentümer Kock fordert für den 1900 Quadratmeter grossen Platz 1 000 Mark.

In einer weiteren Sitzung im November 1893, zu der alle Schulinteressenten geladen waren, wurde noch ein zweiter Platz in Vorschlag gebracht und zwar das Grundstück, auf dem heute das Schulhaus mit der ersten Klasse steht. Für den vier Scheffel grossen Platz wurden 1490 Mark gefordert. Man hatte also die Wahl zwischen zwei Plätzen. Die Mehrzahl sprach sich gegen den Platz auf dem Berge aus. Als Gründe wurden angeführt: Die Strasse sei - wegen der vielen Fuhrwerke - für die kleinen Kinder zu gefährlich, die Wasseranlage zu kostspielig, das Schöpfen aus einem tiefen Brunnen zu umständlich, das stark abschüssige Gelände sei für die Anlage eines Gartens sehr ungünstig. Bei der darauf folgenden Abstimmung stimmten dann aber auffallenderweise 27 für den Platz auf dem Berge und nur 10 dagegen.

In einer Schulvorstandssitzung im Februar 1895 wird der Neuhau mit 29 : 6 Stimmen endgültig beschlossen. In der weiteren Frage, ob Halb- oder Vollbau stimmen 36 für und nur 5 gegen den Vollbau. Es wird also beschlossen, gleich zwei Klassen zu bauen und das alte Schulhaus zu verkaufen. Man schätzt den Verkaufspreis auf 1 200 Mark. Die Dorfschaft Schalkholz bewilligt 5 000 Mark, den verbleibenden Rest will man von der Regierung als Beihilfe erbitten.
In der gleichen Sitzung wird die Errichtung einer zweiten Lehrerstelle beschlossen mit einem Gehalt von 900 Mark ausschliesslich Wohnung und Feuerung.

Inzwischen sind aber bei einem Teil der Interessenten Bedenken laut geworden gegen den in Aussicht genommenen Bauplatz. Das Schulkollegium steht auf Seiten derer, die den Bauplatz bei der Meierei wünschen. Da man sich aber mit den Interessenten nicht einigen kann, fahren Pastor Berg und J. Carstens persönlich nach Schleswig. Die Regierung stimmte diesem Plan zu und so kauft man den Platz neben der Meierei - 27,37 Ar gross - von dem Besitzer Marx Glüsing.

Ist man sich so über den Platz einig, so läuft man nun Sturm gegen den von der Regierung vorgeschlagenen Etagenbau. Die Einwände gegen diesen Bauplan sind durchaus berechtigt und man fragt sich heute erstaunt, welche Gründe den Regierungsbaumeister bewogen haben, einen derartig unzweckmässigen Bau aufzuführen. Hier steht der gesunde Bauernverstand gegen den des studierten Baumeisters. Es war vorauszusehen, dass der letztere siegen würde. Das Schulkollegium lehnte den Etagenbau aus folgenden Erwägungen heraus ab: Einmal ist das Treppensteigen den Landkindern ungewohnt und daher gefährlich, zum andern ist nur ein gemeinsamer Eingang für Wohnung und Schulklasse vorgesehen, was für die Wohnung grosse Nachteile hat. Man will daher die beiden Klassen zu ebener Erde nebeneinander bauen.

Das Jahr 1895 scheint mit weiteren Verhandlungen hingegangen zu sein.

Die Schalkholzer Schule in den 1930er Anfang Januar 1896 ward dem Schulkollegium von der Königlichen Regierung in Schleswig mitgeteilt, dass der Kommüne zu den Kosten des Neubaues einer zweiklassigen Schule eine staatliche Beihilfe von 8 800 Mark, zahlbar im Etatsjahr 1898, gewährt worden sei. Der Bau wurde nun sofort in Angriff genommen. Die Ausführung ist auf dem Wege der Submission dem Zimmermann Ramundt in Albersdorf für 14 700 Mark übertragen worden. Die Aufsicht über den Bau übernimmt der Maurermeister Thau Schalkholz gegen eine Entschädigung von 70 Mark. Mit dem Bau wurde im Mai begonnen. Zur Aufbringung der Baukosten leiht die Schulkommüne bei der Bank von Davids in Tönning die Summe von 20 000 Mark, zu 5 1/2 % bei einem jährlichen Abtrag von 450 Mark.

Die Schalkholzer Schule Rückseite Am 14. Dezember 1896 wurde durch den Ortsschulinspektor Pastor Berg das neue Schulhaus feierlich eingeweiht und der Unterricht in der Elementarklasse - 42 Schüler - aufgenommen. Da der Bau der ersten Lehrerwohnung noch nicht abnahmefähig beendet war, ward für die Oberklasse - 40 Schüler - das Schullokal im alten Gebäude einstweilen betbehalten. Erst am 11. März 1897 bezog Lehrer Thomsen die erste neue Wohnung und nahm auch den Unter= richt im neuen Klassenraum auf.

Die Abnahme des Baues erfolgte im März 1897. Bei der Abrechnung mit dem Bauunternehmer Ramundt musste dieser sich einen Abzug von ca. 1000 Mark incl. Ersatz für durch ihn verursachte Unkosten der Schulkasse gefallen lassen, teils auf Grund mangelhafter Bauausführung, teils wegen verspäteter Beendigung. Die eigentlichen Baukosten belaufen sich auf annähernd 17 000 Mark. Hierzu hat die Regierung ca. 8 600 Mark beigetragen, das alte Schulhaus ist für 2 700 Mark verkauft worden. Die Schulkasse ist mithin mit dem Rest von 5 700 Mark belastet worden. Hierzu kommt der Ankauf des Bauplatzes für 1400 Mark und die Kosten der Fertigstellung des Baugrundes.

Damit war der zwanzigjährige Krieg um den Schulneubau beendet.

Die Schule bis zum 1. Weltkrieg:

Aus den vorhergehenden Jahren ist noch folgendes nachzutragen:
Sitzung des Schulkollegiums vom 22. Juni 1886:

Verhandlung über das pensionsfähige Diensteinkommen des Lehrers A. Thomsen in Schalkholz.

In Gemäss der Regierungsverfügung vom 30. März ds. Js. wird das pensionsfähige Diensteinkommen des Lehrers Thomsen in Schalkholz hierdurch wie folgt festgesetzt:

1. Dienstwohnung, geschätzt auf........170 Mark
2. Gartennutzung, geschätzt auf..... ... 60
3. Feuerung, nach Bedarf,geschätzt.....120
4. Ertrag des Dienstlandes, Wiese........288
   Weideland......................................66
5. Lieferung von 4,17 Hekt. Roggen
   und 1.39 Hekt. Buchweizen..............67.50
6. Bares Gehalt................................538.50
7. Für 2 Mehrstunden seit Einrichtung
   der Halbtagsschule..........................90
gesamt.......................................1400

Dienstwohnung, Feuerung und Gartennutzung, welche in der Matrikel auf 60 , 18 und 96 Mark geschätzt sind,haben mit Rücksicht auf die örtlichen Wertverhältnisse eine höhere Schätzung erfahren.

Tellingstedt, den 22. Juni 1866.
H. Sinn,Schulinsp., F.A.Finrichs, E.H.Lembke, A.Thomsen,Lehrer.


1891: Da die Schulkommune als solche nicht im Besitze eines Torfmoores ist, der Torf daher jährlich gekauft werden musste, so wurde auf Betreiben des Schulkollegiums ein Stück Moor als Eigentum der Schule für 1100 Mark angekauft.

1892: Die Schulwiese wurde, weil Seggengräser ihren Wert sehr verringert hatten, in den Jahren 1890 - 1895 unter den Pflug genommen.

1896: Da sich bei der Ausschreibung zur zweiten Lehrerstelle niemand meldete, verzichtete das Schulkollegium auf die Wahl und stellte bei der Regierung den Antrag auf Ueberweisung eines Lehrers. Daraufhin wurde der Seminarabiturient Bielfeldt aus Mecklenburg, Segeberger Seminarist (1895 abgegangen), mit der Verwaltung beauftragt.

Ueber die Lehrmittel an unserer Schule ist folgendes nachzuholen:
In den Jahren 1870 bis 1877 wurden angeschafft: ein Globus, ein Thermometer, ein Zirkel, Bilder für den naturkundlichen Unterricht und einige Karten und eine Lesemaschine.
Auf der Unter= und Mittelstufe las man aus dem "Lesebuch des Heider-Meldorfer Lehrervereins", auf der Oberstufe das "Norddeutsche Lesebuch", 1878 wurde der "Kinderfreund" eingeführt.

Krankheiten:
1882 Keuchhusten, 1887 Januar und Februar: Masern, fast 2/5 der Schüler fehlten. Schule vier Wochen geschlossen, Todesfälle kamen unter den Schülern nicht vor.
1891 epidemisches Auftreten von Keuchhusten.
1895 Scharlach.

Feste: Das seit ungefähr 1840 übliche Kinderfest im Monat Januar wurde 1892 auf Wunsch der Eltern abgeändert in ein sommerliches Kindervogelschiessen. Diese neue Form des Kindervergnügens fand sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern starken Anklang.

Die Finanzierung der Schule

Die Schullasten wurden bis zur Mitte der siebziger Jahre durch eine zweifache Steuer, Real- und Personalschulgeld aufgebracht. Das Realschulgeld wurde nach Massgabe der Grundsteuer, des Steuerwerts der Ländereien, erhoben. Hand= und Spanndienste wurden in natura geleistet. Das Personalschulgeld war für alle Besitzer gleich. Nur kinderlose Häuerlinge und Abnahmeleute waren befreit.

Im Jahre 1875 wurde diese Art der Aufbringung abgeändert. Es wurde von nun ab ein sogenanntes Kopfgeld erhoben, das für alle zu den Schullasten beitragenden Einwohner gleich war. Es betrug in den ersten Jahren 5 Mark. Der Rest wurde zu einem Drittel nach der neuen Grundsteuer, zu einem Drittel nach Klassen- und Einkommensteuer und zu einem Drittel nach der Gebäudesteuer veranlagt.

1888 gab der Staat der Schalkholzer Schule einen Staatsbeitrag von 400 Mark. An barem Gehalt waren in diesem Jahr aufzubringen 628,50 Mark. In einer Sitzung des Schulkollegiums von 1888 beschloss man, den Staatsbeitrag zur Aufwendung des Lehrergehalts zu verwenden und den Rest in derselben Weise aufzubringen wie bisher. Dann könne der Kopfbeitrag auf 2 Mark ermässigt werden. Darin lag eine Benachteiligung der "kleinen Leute" und aus diesem Grunde lehnte das Schulvisitatorium die Genehmigung ab. Es wurde deshalb in einer zweiten Sitzung beschlossen, dass der Staatsbeitrag in erster Linie zur Bezahlung der Kopfsteuer verwandt würde und der dann verbleibende Rest zur Ermässigung der nach Klassen- und Einkommensteuer aufgebrachten Schullasten gebraucht werden solle. Dadurch fiel das Kopfgeld gänzlich weg und die Beiträge auf Grund der Klassensteuer konnten ermässigt werden.

Im Herbst 1894 verfügte die Regierung, dass in Zukunft alljährlich und zwar vom 1. April 1895 ab ein Haushaltsplan aufgestellt werden solle, der vom Schulvisitatorium genehmigt werden musste.

Nachdem man anfangs nach dem Bau der neuen Schule achtsitzige Bänke in Aussicht genommen hatte, schaffte man dann aber doch viersitzige an. Auf eine Ausschreibung waren sechs Offerten eingegangen. Die billigste Offerte von Tischler Lüsing, Oesterborstel (27 Mark ) erhielt den Zuschlag.

1898 setzt sich das Gehalt des Lehrers wie folgt zusammen:

1. Lehrer:
Feuerung...............................120 Mark
Dienstland.............................354
Naturallieferung.........................67,50
Wohnung................................120
Garten.....................................60
bar.......................................628,50
gesamt................................1350 Mark

2. Lehrer:
Feuerung...............................120 Mark
bar......................................1050
gedamt................................1170 Mark


Für das Wintersemester 1898/99 gelangte die vom Königlichen Konsistorium getroffene Anordnung, dass den Konfirmanden an zwei Tagen in der Woche Unterricht zu erteilen sei, zur Durchführung. Da Knaben und Mädchen an verschiedenen Tagen zum Konfirmandenunterricht gingen, nahm also an keinem ganzen Wochentag die gesamte Schülerzahl am Schulunterricht teil.

Der 2. Lehrer Bielfeldt wurde nach Borstel gewählt. Das Schalkholzer Schulkollegium erkannte an, dass Bielfeldt ein tüchtiger Lehrer sei, bewilligte ihm auch gegen die Stimme des Schulinspektors ein Zimmer in der ersten Lehrerwohnung, lehnte dann aber dessen Gesuch um Gehaltserhöhung ab. Ausserdem bestanden Unstimmigkeiten wegen der Feuerung. Diese Gründe scheinen Bielfeldt bewogen zu haben, sich einen andern Wirkungskreis zu suchen.

Auf die Ausschreibung hin bewarben sich 5 Lehrer: Sievers in Kirchbarkau, Sievertsen in Ostbargum, Krull in Neumünster, Festing in Neumünster und Hadenfelde in Havetoft. Präsentiert wurden nach Verlesung der Gesuche und Zeugnisse: Hadenfeldt, Festing und Krull. In Reserve: Sievertsen und Sievers. Die Wahl fand am 2. Januar 1900 statt. Inzwischen aber hatten alle Bewerber bis auf den Schulamtskandidaten Sievers ihre Bewerbungen zurückgezogen, da sie anderweitig gewählt waren. Sievers wurde dann auch nach abgehaltener Lehrprobe einstimmig gewählt.

Im Sommer 1900 wurde zum ersten Male die ungeteilte Schulzeit durchgeführt. Die Unterrichtszeit fiel auf die Vormittagsstunden von 6 1/2 bis 11 1/2 Uhr. Die ungeteilte Schulzeit galt aber nur für die erste Klasse.
Für die Schülerbücherei erhielt die Schule aus dem Behrensschen Schulfonds 25 Mark, die Gemeinde gibt ebenfalls 25 Mark.

1901: Beide Klassen werden durch den Regierungs- und Schulrat Sass revidiert.

1902: Von Mai bis Oktober 1902 mussten beide Lehrer in Rederstall aushilfsweise unterrichten. Der erste Lehrer gab dort 8 Stunden, der zweite 12 wöchentlich.
Vom Schulvisitatorium erhielt die Schule 55 Mark zur Anschaffung einiger physikaischer Apparate.

1905: Es herrschte eine Masernepidemie, so dass die Schule vier Wochen geschlossen werden musste.
Die Ernteferien werden wegen der Ungunst der Witterung um eine Woche verlängert.

Der Streit um das Schulland

In einer Sitzung des Schulkollegiums vom 15. Mai 1904 wird beschlossen, das Königliche Schulvisitatorium um Genehmigung folgender Beschlüsse zu bitten:
1. Das Schulland wird vom 1. November 1904 - an diesem Tage wird Lehrer Thomsen pensioniert - ab in eigene Verwaltung übernommen.
2. Das Grundgehalt wird vom l. Nov. ab von 1170 Mark auf 1500 Mark erhöht.
3. Das Schulvisitatorium möge dem Verkauf des Schullandes zustimmen, da die Düngung zu teuer käme.

Das Schulvisitatorium lehnt den Verkauf des Landes ab. Daraufhin erklärt das Schulkollegium, dass es das Gehalt nur unter der Voraussetzung erhöhen will, dass sie das Land in eigene Verwaltung bekommt. Die Erhöhung des Grundgehalts erfolge einfach dadurch, dass die dann abzulösenden Hand- und Spanndienste mit 100 Mark angesetzt seien. Die restlichen 50 Mark würden in Erwartung einer erhöhten Pacht zugelegt. Falls die beiden Anträge (Ablösung des Dienstlandes und Gehaltserhöhung) genehmigt würden, wolle die Schulgemeinde dem neuen Lehrer die 554 Mark, auf die das Schulland bisher festgesetzt war, nicht auch noch bezahlen.

Die Antwort des Schulvisitatoriums bestand darin, dass sie die Anträge nicht weiter beförderte und eine Vakanz ausschreiben liess, die den gefassten Beschlüssen widersprach. Inzwischen bittet das Schulkollegium um Entsendung eines Schulamtskandidaten für die 1. bzw. 2. Lehrerstelle mit einem Gehalt von 75 Mark ausser freier Wohnung, Es laufen 17 Bewerbungen ein.

Nun beschliesst man, wegen des Schullandes persönlich bei der Regierung vorstellig zu werden. Die Präsentation soll bis dahin aufgeschoben werden. Ob man nun persönlich vorstellig geworden ist und die Regierung abschlägig beschieden hat, geht aus den Akten nicht hervor. In einer weiteren Sitzung lehnt jedenfalls der Schulvorstand es ab, seinerseits die Verhandlungen darüber aufzunehmen und empfiehlt eine Verständigung mit dem künftigen ersten Lehrer.

Präsentiert werden folgende Lehrer: Lorenz Nordhastedt, Todt Ausacker und Sievers Schalkholz. Am Sonntag dem 25. September 1904 wird, nachdem alle drei Präsentierten eine Lehrprobe in Religion von 50 Minuten und eine kurze Uebung im Kopfrechnen gehalten hatten, Lehrer Sievers mit 54:27:1 Stimme gewählt. Die Bewerber erhalten freie Bahn-fahrt 3. Klasse, 40 Pfennig je Kilometer Landweg und 6 Mark Tagegeld.

Betreffs des Landes stellt man im Benehmen mit dem Lehrer Sievers folgende Anträge an das Schulvisitatorium:
1. Die Schulgemeinde Schalkholz übernimmt vom 1. Januar 1905 ab das Schulland in eigene Verwaltung.
2. Der erste Lehrer erhält jährlich 484 Mark Gehalt mehr. Die 554 Mark übersteigenden 150 Mark sind pensionsfähig.

Das Schulvisitatorium lehnt eine dauernde Uebernahme des Schullandes ab, genehmigt aber unter den obigen Bedingungen eine Verpachtung auf fünf Jahre. Daraufhin sieht das Schulkollegium seinen Antrag zurück.

Der zur ersten Lehrerstelle gehörige grosse Garten, weleher von Herrn Thomsen mit viel Fleiss und grosser Sachkenntnis angelegt war, sollte nur dann so auf den Nachfolger übergehen, wenn ihm derselbe eine Entschädigung von 500 Mark zahle. Lehrer Sievers einigte sich mit der Gemeinde dahin, dass beide je 102.50 Mark bezahlten als Entschädigung für die im Garten vorhandenen halbstämmigen Obstbäume, Johannis- und Stachelbeersträucher, Erdbeeren und Rhabarber, die Tannenschutzhecke und die Gewächse an den Wänden von Haus und Stall, sowie den vorhandenen Dung. Dagegen verpflichtete sich Sievers, bei seinem Abgang keinerlei Ansprüche für Anpflanzungen im Garten an seinen Nachfolger oder an die Gemeinde zu stellen.

Am 29. Oktober 1904 nahm Lehrer Thomsen von seinen Schülern Abschied und legte damit nach 44 jähriger Amtszeit in Schalkholz die Arbeit nieder. Von November bis Januar wurden beide Klassen durch Sievers verwaltet, dann übernahm für ein Vierteljahr Schott aus Kellinghusen vertretungsweise die 2. Klasse.

Am 1. April 1905 trat dann Lehrer Ludwig Nissen seinen Dienst an. Den Handarbeitsunterricht übernahm Frau Wandmaker für jährlich 60 Mark. Die gegenseitige Kündigungsfrist ist ein Monat.

1906: Die Höveder Kinder besuchen von Ostern bis Michaelis die hiesige Schule.

1907: Für die erste Klasse wird ein neuer Schrank angeschafft, den alten Schrank erhält die zweite Klasse. Da die zweite Stelle im Vergleich zur ersten zu gering besoldet war und die Kosten des Lebensunterhalts gestiegen waren, wurde das Gehalt des zweiten Lehrers um 150 Mark erhöht.Um den häufigen Vakanzen der zweiten Stelle abzuhelfen, beschliesst man, eine weitere Familienwohnung zu bauen. Den Bauplatz - 5 Scheffel gross - kauft man von dem Landmann Jakob Holm für 1500 Mark.

Lehrer Nissen trat in den Hamburger Schuldienst. Da der bei der Regierung gestellte Antrag auf Ueberweisung eines Schulamtskandidaten ohne Erfolg geblieben war, wurden beide Klassen vom ersten Lehrer verwaltet. Ausserdem unterrichtete Lehrer Schmüser Rederstcll wöchentlich sechs Stunden.

Finanzierung der Schule ab 1908

1908: Nach langem Zögern und erst auf wiederholte Aufforderung seitens des Schulvisitatoriums entschliesst sich die Vertretung der Gemeinde, von April 1908 ab die Schule auf die Gemeinde zu übernehmen, wenn ihr aus dem Ausgleichfonds eine entsprechende Entschädigung zuteil würde. Man wollte anfangs die Schullasten vom Kirchspiel getragen wissen, drang aber mit dieser Ansicht nicht durch. Die Schullasten werden von diesem Zeitpunkt ab als Gemeindelast aufgebracht und zwar nach gleichem Prozentsatz von sämtlichen Steuerarten, auch von der Gewerbesteuer, die bisher befreit war. Als Beihilfe wird der Gemeinde jährlich 1800 Mark gewährt. Diese Beihilfe wird 1910 sogar auf 5 200 Mark erhöht.

Nach zweimaliger erfolgloser Ausschreibung wird endlich am 5. Oktober 1908 Lehrer Paarmann mit der Verwaltung der zweiten Lehrerstelle beauftragt.

Schulklasse vor dem Stall der Schalkholzer Schule (ca. 1940) Für den Bau der geplanten Familienwohnung waren vier Offerten eingegangen. Den Zuschlag erhielt der hiesige Zimmermann Heinrich Eckmann für 6 255,99 Mark. Ebenfalls wird ein Stall aufgeführt für 1400 Mark.

Das Gehalt des zweiten Lehrers soll erhöht werden. Es heisst in dem Beschluss:

"Man sieht ein, dass eine Erhöhung des Gehalts auch in Rücksicht auf die teuren Lebensverhältnisse und in Rücksicht auf die Arbeit und Stellung eines Lehrers nötig ist".
Der Antrag wird dann aber wegen des in Aussicht stehenden neuen Besoldungsgesetzes nicht genehmigt.

1909: Anlage eines Schulgartens für unterrichtliche Zwecke wird abgelehnt. da die Kinder in ihrer freien Zeit im Hause gebraucht würden.

1910: Das Gehalt der beiden Lehrer wird wie folgt festgesetzt:

1. Lehrer:
   Feuerung...................................120 Mark
   Dienstland.................................480
   Naturalten..................................67.50
   bar.........................................662.50
   gesamt..................................1350 Mark

2. Lehrer:
   Feuerung....................................120 Mark
   bar...........................................1210
   gesamt.....................................1350 Mark.

Das Gastschulgeld wird festgesetzt für ein einzelnes Kind auf 25 Mark, für weitere Geschwister je 10 Mark. Der Lehrer erhält davon je 20 bzw. 10 Mark. 5 Mark fallen in die Gemeindekasse.

Die Schülerzahl war auf 155 gestiegen. Es wurde deshalb zunächst die zweite Klasse geteilt und Anfang Juli die dreiklassige Schule mit zwei Lehrern eingerichtet. Da die Unterstufe dabei nur zwölf Stunden Unterricht erhielt, beschloss man den Anbau eines dritten Klassenzimmers an die zweite Lehrerwohnung und die Anstellung einer Lehrerin.

1911: Der Bau des dritten Klassenzimmers wird dem Zimmermann Heinrich Eckmann für die Summe von 4 400 Mark übertragen. Der Bau wurde noch in demselben Jahre fertiggestellt. Anfang November wurde Fräulein Weber mit der Verwaltung der 3. Stelle beauftragt.

1912: Lehrer Paarmann wird auf seinen Wunsch nach Arlewatt, Kreis Husum versetzt. An seine Stelle tritt A. Thumann. Von dem Landmann Friedrich Rüsch wurde ein rechtwinkliges Stück von seinem auf Nordfeld zwischen den beiden Schulhäusern belegenen Land in Grösse von 65.50 Ar als Jugendspielplatz zum Preise von 5 225 Mark angekauft.
Durch Verfügung vom 17. April 1912 wird Sievers Hauptlehrer.

1913: Anlässlich der vor hundert Jahren erfolgten glorreichen Erhebung des preussischen Volkes wurde am 10. März, dem hundertjährigen Gedenktag der Stiftung des Eisernen Kreuzes und dem Geburtstag der Königin Luise unter Ausfall des Unterrichts eine Jahrhundertfeier abgehalten. Am Vormittag dieses Tages versammelten sich die Finder aus den drei Klassen im schön geschmückten geräumigen Klassenzimmer der zweiten Klasse zu einer gemeinsamen Feier.

Bei Dispensationen vom Schulbesuch, die nur dadurch, erreicht werden, dass die Eltern erklären, dass die Konfirmation ihres Kindes am Schluss des Schuljahres nicht erstrebt werde, ist hinfort vom Ortsschulinspektor eine schriftliche Erklärung vom Vater des Kindes zu verlangen und dem Kreisschulinspektor einzusenden.

Zufolge eines Schreibens vom 30. April 1913 wird im Interesse der Jugendpflege darauf hingewiesen, dass alle Schüler und Schülerinnen während der letzten Schuljahre auf geeignete Jugendvereinigungen aufmerksam zu machen und zum Beitritt anzuregen sind.

Am 16. Juni wurde anlässlich des Begierungsjubiläums des damaligen Kaisers Wilhelm II., eine gemeinsame Schulfeier ähnlich der der Jahrhundertfeier abgehalten. Ein vom Königl. Schulvisitatorium überwiesenes Kaiserbild wurde an Richard Holtorf, eine Festschrift an Heinrich Siebke verteilt. Ein grosses Kaiserbild zum Preise von 20 Mark wurde von der Gemeinde für die zweite Klasse angeschafft.

Im September unternahm die Schule mit 75 Kindern und 50 Erwachsenen einen Ausflug nach Hamburg.
Am Sonnabend, dem 18. Oktober 1915 wurde anlässlich der Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig morgens in aller Frühe eine Feier auf dem Tepel abgehalten. Bei dem Abbrennen eines grossen Freudenfeuers wurden Reden gehalten, die von Liedern umrahmt wurden. Zwei Buchprämien wurden an Willi Schultz und Johann Zingelmann verteilt.

Am Tage der 50. Wiederkehr der Schlacht bei Düppel wurde am 18. April 1914 dieser Entscheidungsschlacht in einer Feier gedacht.

1914: Das Kindervergnügen soll von jetzt ab ganz auf Kosten der Schulkasse ausgestaltet werden. Es wurden bewilligt je 20 Mark für Gewinne, Musik und Erfrischungen für die Kinder.


Die Schule im Weltkrieg 1914 - 1918.


Während der vorletzten Woche der Sommerferien erfolgte - für Schalkholz ziemlich überraschend - die Mobilmachung. Es war gerade zur Zeit der Roggenernte. Ein grosser Teil der wehrfähigen Männer wurde in den ersten Tagen eingezogen. Um die Roggenernte zu bergen. stellte sich auch Lehrer Sievers zur Verfügung. Der zweite Lehrer Thumann musste sich schon am zweiten Mobilmachungstag stellen. So wurden die drei Klassen durch Sievers und Frl. Weber verwaltet. Da der Rendant der Spar- und Darlehnskasse Jakob Holm sich schon in der ersten Woche stellen musste, übernahm Hauptlehrer Sievers auch diesen Posten.

In der Aufregung der ersten Tage versuchten verschiedene Leute sich mit Goldgeld zu versorgen. Auf vielfache Anregungen der Behörde hin gaben sie es dann aber doch heraus. So konnten die Schulkinder die stattliche Summe von 730 M einsammeln.

Von den ostpreussischen Flüchtlingen kam auch eine Familie nach Schalkholz. Die älteste Tochter war hier eingeschult.

An der Liebesgabentätigkeit für die Soldaten beteiligten sich auch die Schulkinder. An einem Nachmittag wurde gemeinsam Brombeeren gepflückt. Die Eltern gaben den Zucker dazu und Frau Sievers kochte den Saft - ca.50 Liter - ein. Der Saft wurde dann dem Roten Kreuz überwiesen. Ferner wurden aus der Schulkasse für 116 Mark Wolle bereitgestellt, aus denen die jungen Mädchen und die Schulkinder Strumpfe, Pulswärmer und Leibbinden strickten. In den ersten Jahren des Krieges wurde bei grösseren Siegen unserer Truppen häufig schulfrei gegeben. Diese Nachricht erreichte aber unsern Ort meistens so spät, dass der Tag dann bereits verstrichen war.

Eine Eiersammlung der Schulkinder im Jahre 1915 ergab 871 Stück. Auch wurden in diesem Jahr wieder Brombeeren gepflückt und wie im Vorjahr eingemacht, 20 Liter und 25 Flaschen Brombeersaft und 10 Flaschen Fliedersaft konnten dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt werden.

Am 16. August 1917 starb den Heldentod Arthur Thumann, Vizefeldwebel der Reserve, Inhaber des Eisernen Kreuzes II. Klasse, auf dem westlichen Kriegsschauplatz in Flandern. Seit Oktober 1912 Lehrer an der hiesigen Mittelklasse war es ihm nur vergönnt, nahezu zwei Jahre in Frieden zu wirken. Bei Ausbruch des Krieges trat er sofort in das Heer ein und erhielt schon in den ersten Schlachten einen Schuss durch die Hand. Nach erfolgter Heilung war er ein Jahr in Rendsburg, wo er Rekruten ausbildete. Anschliessend rückte er wieder ins Feld und nahm an den schweren Kämpfen um Verdun teil. Erst am Anfang des vierten Kriegsjahres traf ihn die tötliche Kugel.

Die Nagelung eines Wahrzeichens - Weltkrieg und Reformationsfest - gemeinsam von allen Schulen des Kirchspiels der Kirche gestiftet, erbrachte 62,50 Mark. Zur Ludendorffspende wurde von den Kindern 86 Mark gesammelt.

Nach dem schmählichen Ende des Krieges wurde - nachdem alle Soldaten unseres Ortes bis auf die Gefangenen heimgekehrt waren - am 14. Februar 1919 eine Begrüssungsfeier abgehalten. Die Begrüssungsrede hielt Lehrer Sievers. Er gedachte der übermenschlichen Anstrengungen unserer Fronttruppen und der schweren blutigen Opfer, die der Krieg erforderte. Sodann versuchte er nachzuweisen, dass es falsch sei, den Kaiser als den alleinigen Sündenbock hinzustellen, wenn auch vielleicht manches verkehrt gemacht worden sei. Der Ausbruch der Revolution gerade in diesem Augenblick sei aber gewiss nicht zum Vorteil für unser Vaterland gewesen. Man habe auf die Grossmut des Feindes gerechnet und sich damit einer grossen Täuschung hingegeben. Jetzt nach den Ursachen des Zusammenbruchs zu forschen sei unnütz. Jetzt heisse es vielmehr vorwärts zu schauen und mit allen Kräften an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes zu arbeiten.


Die Schule von 1919 - 1933

1919: Der Ausbau einer Lehrerwohnung auf dem Boden des Wohnhauses vom zweiten Lehrer unterblieb. Bereits 1915 hatte der Architekt Thomsen in Tellingstedt einen Plan ausgearbeitet, dessen Genehmigung aber von der Regierung lange hinausgezögert wurde. Dann kam der Krieg. Die Materialien wurden knapp und Handwerker waren nur schwer zu bekommen. Die Unterbringung der Lehrerin aber war ein Problem, das gelöst werden musste. In einer Sitzung der Gemeindevertretung und des Schulvorstandes vom 20. August 1919 wird noch einmal zu dieser Frage Stellung genommen. Man beschliesst einstimmig: Ein der Gemeinde für 7000 Mark zum Ankauf angebotenes Haus der Witwe des im Kriege gefallenen Malers Theodor Kinde zu kaufen. Zu diesem Beschluss führten folgende Gründe:

1. Der schon 1915 beschlossene Einbau einer Lehrerinnenwohnung im neuen Schulhause - damals auf 1800 Mark veranschlagt -wird sich heute jedenfalls auf das vier- bis fünffache der damals veranschlagten Baukosten, also höher als der Ankauf des oben erwähnten Hauses stellen.
2. Dabei wird die zweite Lehrerwohnung verschlechtert und nur eine bescheidene Lehrerinnenwohnung ohne Garten erreicht.
3. Zudem zögert sich der Bau immer weiter hinaus und es erscheint zweifelhaft, ob noch in diesem Jahre mit dem Bau begonnen werden kann.

Die Lösung der Frage wird aber immer dringender. Der Gemeindevorsteher J. Glüsing und der Schulrechnungsführer Ludwig Siebke werden beauftragt, baldmöglichst mit der Verkäuferin einen notariellen Kaufvertrag abzuschliessen. Während der Kriegszeit hatte Fräulein Weber in der zweiten Lehrerwohnung zwei Stuben und die Küche in Benutzung gehabt.

Die zweite Klasse, während der Kriegsjahre durch die beiden Lehrkräfte mit verwaltet, wurde am 2. März 1919 durch den pensionierten Lehrer Geckler - geb. 1855 - auftragsweise besetzt. Am 1. August desselben Jahres übernahm dann Lehrer Sönksen die Stelle. Sönksen musste wegen der bevorstehenden Abtretung Nordschleswigs den Ort Scherrebek verlassen. Zum 1. Oktober 1919 wurde Fräulein Weber im Interesse des Dienstes versetzt nach Dockenhuden. An ihre Stelle trat am 1. April 1920 Fräulein Emmy Depmer, die auch aus dem abgetretenen Gebiet in Nordschleswig kam. Frl. Depmer war 1890 in Hamburg geboren.

Als Zeichen der Not infolge der allgemeinen Teuerung darf es gewertet werden, dass den verheirateten Lehrkräften aus der Schulkasse eine Wirtschaftsbeihilfe von 400 Mark bewilligt wird.
Der Handarbeitsunterricht wird im Herbst 1919 der Frau des zweiten Lehrers übertragen für 500 Mark jährlich bei zwei Wochenstunden. Das Reinigen und Heizen der ersten Schulklasse wird fortan mit 250 Mark jährlich - worin das Scheren der Hecke auf dem Schulgrundstück und im Garten einbegriffen ist - vergütet.

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November brach morgens gegen 2 1/2 Uhr in der III. Klasse - wohl durch aus dem Schulofen gefallene angebrannte Torfstücke hervorgerufen - ein Schadenfeuer aus, welches die ganze Einrichtung dieses Zimmers die Decke und das Dach über der Schule vernichtete. Auch das darunterliegende Klassenzimmer wurde beschädigt und nach vierzehn Tagen notdürftig ausgebessert.

1920: In einer Schulvorstondssitzung fasst man folgenden Beschluss:

Die Regierung wird gebeten, die hier am 1. Nov. 1911 eingerichtete Lehrerinnenstelle in eine Lehrerstelle umzuwandeln. Als Grund wird u.a. angeführt: Das Leben auf dem Lande ist für eine Lehrerin ungleich schwerer als für einen Lehrer. Erstere findet schwerlich eine Bekostigungsstelle und vor allem mangelt es an dem passenden Umgang. Wenn auch im Sommer umliegende grössere Orte sich erreichen lassen, so machen schlechte Wege und Dunkelheit es im Winter für eine einzelne Dame ziemlich unmöglich. Einer männlichen Lehrperson wird überall ungleich freierer Zutritt gewährt, während man sich einer Lehrerin gegenüber zurückhaltend verhält. Ersterer kann sich leicht selbst Umgang (öffentliche Wirtschaftf Vereinsleben, Arbeitsgemeinschaft) verschaffen, der für eine Lehrerin nicht in Frage kommt. So ist es für eine Lehrerin hier geradezu trostlos, abgeschnitten von allem Verkehr, ganz auf sich selbst angewiesen, muss sie versauern und erlahmen, auch in ihrer Berufstätigkeit. Zudem ist eine Lehrerin körperlich nicht den Anstrengungen des Schuldienstes gewachsen wie ein Lehrer.

Die Umwandlung der Lehrerinnenstelle in eine Lehrerstelle wird aber nicht genehmigt. Ein Fräulein Haack aus Weddinghusen, die sich hier vorgestellt hat und die man gerne vertretungsweise mit der Stelle beauftragt haben will, schreibt ab. Ein persönliches Vorstelligwerden in Schleswig bleibt erfolglos.

Im Zeichen der Inflation steigen die Preise für das Schulreinigen im Jahre 1922. Für die I. und III. Klasse erhielt Klaus Mehrens 8 000 Mark, Sönksen für die II. Klasse 5200 Mark. Die Vergütung für den Handarbeitsunterricht wird auf 800 Mark erhöht.

Die Dithmarscher Landesschule in Lunden stellte der Schalkholzer Schule zwei Wandtafeln zur Verfügung. Mit Schluss des Winterhalbjahres 1923/24 legte Fräulein Depmer die Schularbeit nieder, um nach Mexiko auszuwandern, wo ihr Verlobter war. An ihre Stelle trat Fräulein Alma Hansen, geb. am 9. Dezember 1901 zu Ostbargum (Kreis Husum). Nachdem sie zwei Jahre ohne Beschäftigung zugebracht, wurde ihr zum 1. Mai 1924 die hiesige Lehrerinnenstelle übertragen. Da ein Antrag des Schulvorstandes und der Gemeindevertretung, der am 25. Januar 1928 eingereicht wurde, auf Ruhenlassen der 3. Stelle von der Regierung genehmigt wurde, wurde Fräulein Hansen, die am 17. Februar ihre zweite Prüfung abgelegt hatte, in eine ausserplanmässige Stelle nach Schleswig versetzt. Damit wurde die Schule wieder zweiklassig und die erste Stelle hörte auf, eine Hauptlehrerstelle zu sein.

1926: Das Tauwerk an dem Klettergerüst und Rundlauf wird erneuert. Das Vaterländische Lesebuch 5.und 4.Teil wird eingeführt.

Zum Bau der zweiten Lehrerwohnung hatte die Witwe Thiessen der Schulgemeinde 7 000 Mark geliehen. Es wurde jährlich ein Abtrag von 550 Mark nebst Zinsen geleistet. Während der Inflationszeit ist die Restsumme zurückgezahlt. Nach der Umrechnung ist noch eine Schuld von 3 729,72 Mark verblieben. Es wurde eine gütliche Einigung erzielt. Frau Thiessen soll die Aufwertungssumme von 600 Mark er= halten und zwar zum 1. 1. 1927 300 Mark und den Rest am 1.1.29. Verzinst wird die Summe mit 5 %.

Schulvorstand und Gemeindevertretung beschliessen in einer gemeinsamen Sitzung über die Gründung und Eröffnung einer ländlichen Fortbildungsschule folgendes:
Trotzdem allseitige Befürchtungen, namentlich in Bezug auf landwirtschaftliche Störungen bezw. Abwanderung jugendlicher Arbeitskräfte, von Glüsing und Hövede auch noch in Hinsicht auf die weiten Schulwege laut werden, kann man, nachdem man sich durch nochmalige Anfrage an zuständiger Stelle davon überzeugt hat, dass ein Ablehnen weiterhin nicht möglich,sondern dass man vor eine vollendete unumstössliche Tatsache gestellt sei, zu dem Beschluss, eine ländliche Fortbildungsschule für Schalkholz, Hövede und Glüsing zu gründen und diese am 1. Dezember dieses Jahres zu eröffnen. Bis dahin soll der Gemeindevertreter H. Eckmann die nötigen Lampen besorgen und anbringen, der Leiter der Schule die sonstigen Anschaffungen für die erste Einrichtung machen und der Dorfgemeindevorsteher Jakob Holm über die Vergütung für die vermehrte Reinigung sich mit der Frau, die das Reinigen der Schule besorgt, einigen.
Dann wurde gleich ein örtlicher Schulvorstand gebildet. Demselben gehören an:
1. Dorfgemeindevorsteher Jakob Holm, Schalkholz.
2. Dorfgemeindevertreter Eckmann für Schalkholz.
    Dorfgemeindevorsteher Detl. Harbeck für Hövede
    Dorfgemeindevorsteher H. Urbahns für Glüsing
3. Landmann Claus Hinrichs, Schalkholz.
4. Arbeiter Wilhelm Rohde, Schalkholz
5. Hauptlehrer Sievers, Schalkholz und Lehrer Fransen, Hövede.
Die Kosten für Heizung, Beleuchtung und Reinigung soll nach der Zahl der Teilnehmer auf die drei Ortschaften verteilt werden. Man rechnet dabei mit ungefähr 10 Mark pro Kopf.

1928: Die von Frl. Hansen gezeichnete Karte von Schalkholz wird für 50 Mark übernommen. Für das Reinigen und Heizen wurde 1928 für Klasse 1 und III im Monat 5 Pfund Butter, für Klasse II 2 Pfund Butter bezahlt.

1929: Zum 1. Oktober 1929 wurde Lehrer Sönksen, weil er die Altersgrenze erreicht hatte, in den Ruhestand versetzt. Für denselben trat Lehrer Theodor Ockelmann, geb. am 5. Nov. 1890, ein.

1930: Zu Ostern 1930 wurde Hauptlehrer Sievers nach Tating versetzt. An seine Stelle trat Lehrer Langemaack, Er wurde auf Wunsch der Gemeinde hierher versetzt.
Im August desselben Jahres machte die erste Klasse zusammen mit der Schule in Rederstall einen zweitägigen Ausflug nach Hamburg und dem südlichen Holstein.

1931: Auf Antrag des Lehrers Langemack wird das Dienstland abgelöst. Für die bisherige Handarbeitslehrerin Frau Gloe übernimmt Frau Langemack den Unterricht.

1932: Die Notzeit des Lehrerstandes macht sich durch einen rigorosen Abbau aller jungen Kräfte bemerkbar. Bis zum Jahrgang 1924 sind alle Junglehrer der Umgegend abgebaut.

Im Juni findet ein Hitlersportfest statt. Cirka 2 000 Gäste, davon der grösste Teil in der braunen Uniform, waren anwesend.

Die Beschaffung von Lehrmitteln wurde sehr schwierig. In der Schulkasse war kein Geld, da keiner Steuern bezahlte. Im November bestand Lehrer Ockelmann die Mittelschullehrer-Prüfung. Im Dezember wurde ein Gesangverein gegründet, dessen Leiter Lehrer Ockelmann war.


Die Schule von 1933 - 1943


1933: Da fast alle Schulen unseres Kreises mit den Beiträgen zur Landesschulkasse in Rückstand sind, ist die Weiterzahlung des Lehrergehalts in Frage gestellt.
Die Berufung Hitlers am 30. Januar 1933 wird in unserm Ort mit grossem Jubel begrüsst. Am Tag von Potsdam brannte ein Freudenfeuer.
Zum ersten Male dauerten die Osterferien vier Wochen, vom 1. bis 30.April.
Vom 27. Febr. bis 25. März erledigte der Kandidat der Pädagogischen Akademie in Kiel in der ersten Klasse sein Praktikum.
Die Weihnachtsfeier fiel aus, da im Dritten Reich öffentliche Weihnachtsfeiern nicht stattfinden. Weihnachten soll das Fest der Familie sein.

1934: Das Spiel fest der Norderhamme-Süd wird in Schalkholz abgehalten. Schalkholz erringt den zweiten Platz. Welmbüttel wird Sieger.

1935: Lehrer Ockelmann wird am 1.8.1935 nach Reinbek, Kreis Stormarn, versetzt. Heinrich Carstensen, geb.9.6.1894 tritt ein. Zu Ostern 1935 wurde Lehrer Langemack nach Itzehoe versetzt. Zum gleichen Zeitpunkt siedelt Carstensen nach Bredstedt über. So traten zu Ostern dieses Jahres zwei neue Lehrer vor die Kinder. Die erste Klasse übernahm Lehrer Christian Hansen, geb. 10. Juli 1902, die zweite Klasse Schulamtsbewerber Ernst Sommer. Herr Sommer hat 1933 die Akademie in Kiel verlassen. Der stud. päd. Ernst Warnecke, der 4 Wochen in der ersten Klasse sein Praktikum erledigte, nahm auch an dem Vogelschiessen, das in der üblichen Weise noch vor den Sommerferien gefeiert wurde, teil.
Der 29. August war für die Kinder ein grosser Tag. Mit der Bahn und per Rad waren sie nach Heide geeilt, um den Führer zu sehen, der auf der Fahrt nach dem neuen Adolf Hitler-Koog Heide durchfuhr.
Am 31. August machte die Schule einen Ausflug nach der Holsteinischen Schweiz. Leider regnete es den ganzen Tag. Lehrer Sommer nahm Anfang September als S A Mann an dem Reichs-Parteitag in Nürnberg teil.
Das Spielfest wurde im September in Tellingstedt abgehalten.
Am 11. September fuhr die erste Klasse geschlossen nach Pahlhude, um sich den Film "Triumph des Willens" (Parteitag) anzusehen. Der Film hinterliess bei den Kindern einen starken Eindruck.
Am 14. Dezember feierten die Jungmädel unter Führung von Frl. Ehlers Ihre Adventsfeier. Die Mütter der Kinder waren restlos erschienen. Einige Tage später hielt auch die zweite Klasse eine kleine Weihnachtsfeier in ihrer Klasse ab.

1936: Am 26. Januar nahmen beide Lehrer an einem SA Aufmarsch in Heide teil, zu der auch der Stabschef Lutze erschienen war. Der Anlass war aas zehnjährige Bestehen der Ortsgruppe.
Im Februar nahm Lehrer Hansen an einem achttägigen Kursus für Modellbau in der Knabenbürgerschule in Heide teil.
Die Konfirmation der 9 Konfirmanden (2 Knaben und 7 Mädchen) erfolgte am 15. März. Einen Tag vor der Entlassung fand die Schulprüfung statt.
Nach den Osterferien fiel der Sonnabendunterricht aus, da sämtliche Schüler in die H J eingetreten waren.
Am 16. und 17. Juni machte die Schule einen zweitägigen Ausflug nach Hamburg.
In die Sommerferien fiel ein Ereignis, das bei den Kindern und auch bei den Erwachsenen eifrig besprochen wurde: Die Olympiade in Berlin. Die Schulen hatten vom 1. bis 18. August geflaggt. Das Radio übertrug täglich Ausschnitte aus den Wettkämpfen, die eifrig von alt und jung abgehört wurden.
Das Spielfest der Norderhamme fand auch in diesem Jahr in Tellingstedt statt (25.Sept.) Unsere Schule konnte drei Kränze mit nach Hause bringen, Bannersieger wurde wieder Welmbüttel.
Während der Herbstferien fand in Albersdorf ein Schulungslager des NSLB statt. Beide Lehrer nahmen daran teil.
Sommer übernahm im Herbst die Hitler Jugend als Gefolgsschaftsführer.
Die Jungmädel feierten am 15. Dezember ihr Adventsfest, diesmal in der Gastwirtschaft.
Am 18. Dezember Weihnachtsfeier in der zweiten Klasse und am 20. Dezember Adventsfeier der NSV.

1937: Im Februar begann in Heide eine biologische Arbeitsgemeinschaft, an der Lehrer Hansen teilnahm.
Zu Beginn des neuen Schuljahres betrug die Schülerzahl 81.
Während meiner bisherigen Amtszeit wurden in meiner Wohnung zwei Stuben tapeziert und zwar die Bodenstube und die Kinderstube (neben der Küche). In der zweiten Lehrerwohnung wurden in diesem Frühjahr vier Stuben tapeziert, da Herr Sommer im Laufe dieses Sommers heiraten will. Ausserdem wurde der vorhandene Kachelofen umgesetzt und in dem andern Wohnzimmer ein neuer Kachelofen gesetzt. Das Klassenzimmer der zweiten Klasse erhielt vor einem Jahr einen neuen Fussboden und einen neuen Öfen.
Da das Trinkwasser in der ersten Lehrerwohnung schlecht war, wurde im Sommer 1936 der Brunnen zehn Fuss tiefer gebohrt. In den Sommerferten wurden die Aborte repariert, was schon seit Jahren dringend notwendig war.
Der Konfirmandenunterricht begann in diesem Jahre schon am 14. April. Der Unterricht liegt am Mittwoch von 2 - 4 Uhr. Für die Mädchen, die konfirmiert werden sollen, findet an jedem Dienstag von 14 bis 18 Uhr in Tellingstedt unter Leitung von Frau Mohnsen ein Hauswirtschaftsunterrtcht statt. Die Gemeinde zahlt dafür pro Kind und Monat 4 Mark.
Am 5. und 4. Juli machte die erste Klasse einen zweitägigen Ausflug nach Schleswig, Flensburg und Glücksburg.
Auf Grund der neuen Richtlinien für die Grundschule mussten neue Lehrpläne aufgestellt werden. Der Lehrplan wurde von der Konferenz gemeinsam erarbeitet und dann für alle Schulen des Konferenzbezirks vervielfältigt. Das Sportfest wurde in Pahlen ausgetragen.
Am 8. September fand eine Untersuchung sämtlicher Schüler durch den Kretskommunalarzt Dr. Hüter statt. Am 16. Sept. bestend Sommer seine zweite Prüfung "mit Auszeichnung".
Zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien nahm Lehrer Sommer an einem achtwöchigen Lehrgang der Wehrmacht teil.

1938: Im März heiratet Lehrer Sommer. Er wurde Ostern an die erste Klasse nach Wrohm versetzt. Nach den Osterferien trat Lehrer Marx, der von Wesselburenerkoog kam, sein Amt an. Nach Ostern wurden in der Wohnung des ersten Lehrers die beiden vorderen Stuben und die Abseite (Kinderschlafztmmer) tapeziert.
Da das Wasser des Brunnens immer noch schmutzig ist, ist die Anlage einer Wasserleitung in Verbindung mit der Meierei in Aussicht genommen. Im vorigen Jahr scheiterte der Plan an dem Widerstand des Meiereiverwalters.
Die amtlichen Konferenzen beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem neuen Grundschullehrplan. Auf jeder Konferenz wird ein Fach behandedt: Lehrprobe mit anschliessendem Vortrag und Aussprache. Daneben findet monatlich eine Sportkonferenz statt, deren Leiter Hauptlehrer Schurbohm in Tellingstedt ist.
Das Sport fest fand in diesem Jahr in Dellstedt statt. Die Dreikampfübungen sind Laufen, Weitsprung und Keulenweit- und zielwurf. Die Spiele für Knaben: Handball, Faustball und Völkerball, für Mädchen: Korbball, Faustball, Völkerball.
Anfang Juli wurde die Wasserleitung in der ersten Lehrerwohnung gelegt.
Mitte Juli unternahmen beide Klassen einen Ausflug nach Kiel mit dem Omnibus.
Zum 1. September wurde Kreisschulrat Matzen nach Dramburg in Pommern versetzt. An seine Stelle tritt der dortige Schulrat Köhler.
Das Vogelschiessen fiel auf den 2. und 5. September. An dem Umzug beteiligten sich in diesem Jahr auch die kleinen Kinder des Kindergartens, die auf dem geschmückten Milchwagen fuhren. König der l. Klasse Hans Tiedemann (eine Uhr), der zweiten Klasse Klaus Bohde (ein Wecker). Königin der ersten Klasse Hella Nickels (eine Armbanduhr), der zweiten Klasse Karla Speck (ein silberner Löffel). Die Sammlung für Gewinne erbrachte 87.80 Mark.
In den Herbstzeugnissen wurde zum ersten Male die neue Bewertung durchgeführt. 1 = Sehr gut, 2 = Gut, 3 = Befriedigend., 4 = Ausreichend, 5 = Mangelhaft, 6 = Ungenügend.
Nach dem neuen Reichsschulpflichtgesetz werden alle Knaben nach acht Schuljahren entlassen. Infolgedessen werden Ostern 1959 zwei Knabenjahrgänge konfirmiert.
Zum Landjähr wurden erstmalig Knaben des achten Schuljahres aus dem Kreise Norder-Dithmarschen gemustert, von unserer Schule zwei.
Am 20. Dezember Adventsfeier der Frauenschaft. Die Ausgestaltung lag in den Händen der Kinder und des BDM.

1939: Schülerstand: 80.
Im März wurde von sämtlichen schulpflichtigen Kindern eine Karte ausgefüllt, die ihre Personalien enthielt. Diese Volkskartei wurde im August abgeschlossen, da nun auch alle Erwachsenen eine solche Karte ausfüllten.
Sportfest in Lüdersbüttel. Vogelschiessen am S.Juli. Am 15. Juli Ausflug nach Eckernförde.
Die Sommerferien sollten vom 15. Juli bis 22. August dauern. Sie wurden aber wegen Auftretens der spinalen Kinderlähmung in Norder-Dithmarschen bis 9. Sept. verlängert.
Am 26. August starb in seiner Heimat Schulrat Köhler.
Als Ergänzungszuschuss erhielt die Gemeinde in diesem Jahr den für uns recht hohen Betrag von 800 Mark. Für die Lehrer mit drei und mehr Kindern wurde der Wohnungsgeldzuschuss um reichlich 7 Mark pro Monat erhöht mit Wirkung vom 1. Juli 1938 ab.


Die Schule im Krieg (1939 - 1942)


Naturgemäss wirkte sich der Krieg auch auf den Schulbetrieb in sehr starkem Masse aus. Wir hatten noch Ferien, als der Krieg ausbrach. Sofort nach Ausbruch des Krieges wurde dann mitgeteilt, dass der Unterricht an sämtlichen Schulen ausfiele. Nach der sehr schnellen Niederwerfung Polens war die Luftbedrohung nur noch gering. Deshalb begann der Unterricht am 11. Sept. Die Herbstferien fielen dafür völlig aus.

Schon am 26. August war Lehrer Marx mit seinem Auto eingezogen. Marx - der dem Jahrgang 1902 angehörte - war an sich nicht dienstpflichtig. Weil er aber einen neuen Olympiawagen hatte, musste er sein Auto zur Verfügung stellen und wurde als Fahrer seines Wagens mit eingezogen. Da an Ersatz nicht zu denken war, musste ich beide Klassen übernehmen. Das Schwierigste war dabei die Platzfrage, da beide Klassen zusammen 90 Kinder zählten. Ich habe mich dann entschlossen, den gesamten Unterricht in der ersten Klasse durchzuführen. Die Oberstufe und das vierte Schuljahr kommen von 8 bis 11, die unteren drei Jahrgänge von 11 bis 1 Uhr.

Da vor allem viele jüngere Lehrer sich freiwillig meldeten, gab das Schulamt bekannt, dass bei freiwilligen Meldungen eine Abkömmlichkeit vom Zivilberuf nicht bescheinigt werden könne. Da diese Bescheinigung aber bei der Meldung gefordert wurde, war damit praktisch die freiwillige Meldung unmöglich gemacht.

Sobald Polen besiegt war, wurde mit dem Aufbau des Schulwesens in den östlichen Gebieten begonnen. Schon am 22. Sept. wurden die Schulleiter aufgefordert, die jenigen Lehrkräfte zu melden, die für den Einsatz im Schuldienst des östlichen Operationsgebietes in Frage kämen. Es sind seitdem mehrere Aufforderungen gekommen, sich freiwillig zu melden. Anfangs scheinen auch mehrere Meldungen eingegangen zu sein, doch kamen von diesen Lehrern so viele Berichte über die dortigen Zustände (sehr schlechte Wohnungsverhältnisse, Mangel an Lehrmitteln, allgemeine Unsicherheit), dass die Meldungen weniger wurden. Man ist jetzt dazu übergegangen, unverheiratete Lehrer einfach zu bestimmen.

Als Notmassnahme sind dann auch vor allem im östlichen Gebiet die sogenannten Schulhelfer eingesetzt, eine Massnahme, die das Ansehen des Volksschullehrerstandes weiter herabdrücken wird. Bei dem katastrophalen Lehrermangel dürfte sich der Einsatz der Schulhelfer sehr bald auch auf das alte Reichsgebiet ausdehnen.

Um den Bedarf an Seide zur Herstellung von Fallschirmen sicher= zustellen, wurde viel Propaganda für den Anbau von Maulbeersträuchern gemacht. Unsere Schule hatte schon vor zwei Jahren 500 Maulbeersträucher angepflanzt, mit der Aufzucht wurde diesem Sommer begonnen. Damit möglichst alle Lehrer dafür begeistert würden, fand am 25. Oktober 1939 eine Versammlung in der Landwirtschaftsschule in Heide statt, auf der der Seidenbauberater Werner aus Hamburg sprach.
Im Sommer 1940 erhielt dann unsere Schule kostenlos ein Gramm Brut, die am 25. Juni schlüpften. Als Aufzuchtraum diente die Kinderstube, wo die Raupen auf zwei langen Tischen gefüttert wurden. Nach viermaliger Häutung spannen sie sich vom 5. bis 7. August ein. Die Rahmen waren von mir hergestellt, nachdem ich die Leisten bei dem Zimmermann Eckmann hatte zuschneiden lassen. Der Ertrag waren 2.5 kg. mit einem Erlös von 8.90 RM.

Da inzwischen immer mehr Lehrer eingezogen wurden, musste das Schulamt, um eine Uebersicht über die Vertretung usw. zu behalten, monatlich zum 15. eine Meldung von allen Lehrern fordern, die den augenblicklichen Stand der Lehrerzahl angab. Für die Förderung des Luftfahrtunterrichts in den Schulen wurde unserer Schule ein Betrag von 20 Mark zur Verfügung gestellt, die ich zum Ankauf des Kosmos Baukastens "Luftfahrt" verwendete.

Der Winter 1939/40 war ausserordentlich streng. Daher trat -besonders in den Städten - bedrohlicher Kohlenmangel auf. Der grösste Teil der Schulen des Kreises musste kürzere oder längere Zeit schliessen. Da wir Kohlen und Torf genug hatten, konnten wir die ganze Kälteperiode hindurch den vollen Unterricht durchführen.

Am 1. Dezember wurde Rektor Kahlke zum Schulrat für Norder-Dithmarschen ernannt.

1940:
Schülerzahl: 86.
Um die Kinder vor allem beim Pflanzen der Rüben einsetzen zu können, beantragte ich auf Vorschlag des Ortsbauernführers Peters, einen Teil der Sommerferien auf den 14. bis 28. Juni zu legen.

Kaum waren wir wieder angefangen, da kam am 5. Juli fernmündlich Bescheid, dass die Kinder sofort in die Ferien zu schicken seien. Der Grund hierfür war die gesteigerte Luftgefahr,da die nächtlichen Angriffe der Engländer immer häufiger wurden. Die Sommerferien wurden dann allgemein festgesetzt für die Zeit vom 5. Juli bis 22. August. Da im Krieg gegen England aber immer noch nichts Entscheidendes geschehen war, wurden die Ferien auf unbestimmte Zeit verlangert.

Während der Ferien fand in Heide eine Zusammenkunft aller ein- und zweiklassigen Lehrer statt über die Lehrplangestaltung. Nachdem der Lehrplan für die Unterstufe schon vor einigen Jahren fertiggestellt wurde, wird nun mit der Ausarbeitung des Lehrplans für die Oberstufe begonnen. Nach einer Verfügung des Regierungspräsidenten vom 12. Juli wurden die Lehrer auf gefordert, sich vier Wochen für dringende Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Bei mir zählt meine Tätigkeit als Kreisausbildungsleiter im RLB als Arbeits= einsatz.

Die Schule begann wieder am 16. September. In der Nacht vom 9. zum 10. September warfen englische Flieger über unserm Ort Phosphorblättchen ab. Diese wurden am nächsten Morgen von den Schulkindern gesammelt. Ein Junge, der trotz vorheriger mehrmaliger Warnung ein solches Plättchen in die Tasche steckte, verbrannte sich dabei den Rock.

1941:
Das Schuljahr beginnt jetzt nicht mehr zu Ostern, sondern nach den Sommerferien. Alle Kinder aber, die Ostern zur Schule gekommen sind, werden auch noch Ostern entlassen, also bis zum Jahre 1948.
In diesem Jahre gibt es ausnahmsweise viele Maikäfer. Die Schule sammelte an einem Vormittag 50 Liter.
Schon lange wurde Altmaterial gesammelt. Nun soll auch Altgummi abgeliefert werden.
Vom 2.bis 7. August nahm ich an einem Kursus für Seidenraupensucht in einer Beispielsrauperei in Hildesheim teil.
Das NS Fliegerkorps hat die Ausbildung des Jungvolks und der HJ im Modellbau übernommen. Damit der Modellbau auch in allen Schulen durchgeführt werden kann, werden aus jedem Kreis einige Lehrer auf der Modellbauschule in Lauenburg geschult. An einem solchen Kursus nahm ich vom 28. 9 bis 8. 10. 1941 teil.
Seit dem Ausbruch des Krieges wird in Schalkhols sehr viel Gemüse - besonders Wurzeln - angebaut. Um die Schulkinder in der Gemüseernte voll einsetzen zu können, gab es vom 25. 10. bis 6. 11. Ferien.

1942:
Der Winter war sehr hart. Deshalb wurde überall die Feuerung knapp. So hatte auch unsere Schule zusätzlich vom 29. Januar bis 26. Februar Ferien.
Im vergangenen Jahr wurde von unserer Schule an Altmatertal gesammelt: 4942 kg. Eisen, 219 kg. Knochen, 313 kg. Papier, 558 kg. Lumpen. Für die Schülerbücheret erhielten wir 50 Mark, zur Förderung des Modellbaues ebenfalls 50 Mark.
Da zwei Lehrer im Kreise an Tuberkulose erkrankt sind, davon der Lehrer Schmidt aus Pahlkrug sehr ernstlich, wurden sämtliche Lehrer des Kreises auf Tuberkulose untersucht von dem Kreiskommunalarzt.
Im Oktober fand durch denselben Arzt eine zweimalige Schutzimpfung gegen Diphtherie statt. Alle Kinder von ein bis fünfzehn Jahren wurden in der Schulklasse geimpft.
Das Sportfest fand in diesem Jahre in Schalkholz statt.
An Erntearbeit wurden von den Schulkindern im fremden Betrieb 527 Tagewerke, im elterlichen Betrieb 463 Tagewerke geleistet.
Sehr ungünstig wirkt sich auf den Schulbetrieb die Knappheit an Lernbüchern wie auch an Schreibheften aus. Beides gibt es nur noch auf Bezugschein, den der Lehrer ausstellt. Auch weisse Wandtafelkreide ist nur sehr schwer zu bekommen.