Vier Briefe von Christian Hansen an seinen ältesten Sohn Fritz


3. Brief (Freitag, 16. März 1945)


Erinnerungen an die Kindheit: Winterarbeiten

Mein lieber Fritz!

Es sind nun schon wieder acht Tage her, seitdem ich Dir geschrieben habe. Übermorgen ist nun die Konfirmation und wenn dieser Brief bei Dir ankommt, ist das Fest längst gewesen. Ich hoffe, daß Ihr es alle bei guter Gesundheit und in Ruhe vor den Fliegern verlebt. Ich hätte Euch zur Konfirmation so gerne etwas geschenkt. Da man hier noch Wäsche für Frauen kaufen kann, hoffte ich, für Euch beide je ein Oberhemd zu bekommen. Aber leider habe ich umsonst die Geschäfte aufgesucht. Es war nichts zu bekommen. Allerdings wäre es ja auch fraglich gewesen, ob das Paket angekommen wäre. Es geht sicher jetzt viel verloren. Wie kommt Ihr denn am Sonntag nach Tellingstedt? Geht Ihr zu Fuß oder fahrt Ihr mit dem Fahrrad?

Sicher wird Mutti ja auch mitgehen. Ist das Wetter auch so schön bei Euch wie hier? Wahrscheinlich kommt der Frühling aber hier etwas eher, denn dies Land ist ja rundherum von Gebirgen umgeben, so daß die kalten Ostwinde abgehalten werden.

Seid Ihr schon wieder im Gehölz gewesen? Habt Ihr dann auch schon ordentlich etwas nach Haus gebracht? Als ich noch ein Schuljunge war, sind wir jeden Winter im Rundhofer Wald gewesen. Vater kaufte immer einige Nummern Busch und manchmal auch große Buchen. Die mußten wir dann noch erst fällen. Dazu habe ich immer große Lust gehabt. Die schlimmste Arbeit kam allerdings erst dann, wenn das Holz schon nach Haus gefahren war. Es mußte alles mit der Bügelsäge kaputt gesägt werden. Besonders wenn es kalt war, wart das eine unangewnehme Arbeit. Onkel Heine hat es jetzt damit bedeutend besser.

Unsere Hauptarbeit als Kind war im Winter das Dreschen. Wir hatten ja noch den Göpel.

Lieber Fritz, hast Du eigentlich noch die beiden Russenpferde Franz und Polle gekannt? Ich glaube es kaum. - Wenn wir also wintertags aus der Schule kamen, aßen wir schnell Mittag und dann wurden die Pferde vor den Göpel gespannt und Dora und ich wechselten uns ab im Pferdetreiben. Das war bei starkem Frost und Schneetreiben gar nicht so schön. Aber das Essen schmeckte dann abends um so schöner.

Mein lieber Fritz, ich hoffe, daß ich nun auch bald Post von Dir bekomme und grüße Dich herzlich,

Dein Vater.

4. Brief (8. April 1945)